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    • ClauSi

    Wildes Albanien, Zwischenstopp in Mazedonien und ab nach Griechenland

    Iveco und ich verlassen den Campingplatz am Skhodra See und machen uns auf nach Theth (Claudia, Simon und Aaron sind natürlich auch dabei). Es ist schön mit einem ebenbürtigen Kumpel auf Tour zu gehen. Die Straße hoch bis zum Pass ist geteert und dank modernster Schneeraupen frei geräumt.



    Ab dem Pass hört die Teerstraße abrupt auf und es geht über eine Schotterpiste nach Theth, ein kleines Dörfchen in einem abgeschiedenem Tal (im Winter ist es von der Außenwelt komplett abgeschnitten). Und schon geht es los, die erste Aufregung für Claudia: super schmaler Weg (Breite reicht für ein Auto), tiefster Abgrund und ein Mercedesbus der uns entgegen kommt. Panik!!!! Nur bei Claudia; Simon und ich bleiben locker. Mit eingeklemmtem Spiegel, das äußere Rad am Abgrund (der für Claudia glücklicherweise total im Nebel liegt und die Sichtweise nur 10 Meter beträgt) schmiegen wir uns aneinander vorbei, der Abstand beträgt wenige Zentimeter. Da Iveco etwas breitere Backen hat als ich, muss der Mercedesbus dann doch ein ganzes Stück wieder rückwärts fahren, damit sie aneinander vorbei kommen. Claudia stellt entrüstet die Frage, warum er bei uns nicht rückwärts fahren konnte...


    Theth wirkt recht verlassen, obwohl das ein Touristenort ist, zu dem die Touris in Jeeps her gefahren werden. Saison scheint noch keine zu sein. Wir finden ein kleines Guesthouse mit Campingwiese im Garten und Claudia, Simon und Aaron bekommen am Abend leckeres Essen gekocht.



    Am nächsten Tag fahren wir die Strecke weiter, es geht über Schotter, Schlamm, durch Wasser und traumhafter Landschaft.



    Es wird ein Zwischenstopp mit Wanderung zum Blue Eye (ein tiefes blaues Wasserloch) eingelegt. Das Wetter hat sich gebessert, doch kurz vor dem Blue Eye kommt wieder ein heftiger Regenguss. Der sympathisch-optimistische Aaron ist ohne Regenjacke los, nur im Pullover. Simon hat eine Regenjacke an, sein Reißverschluss geht aber nicht zu (er hat ihn vor paar Tagen repariert bzw. geklebt). Claudia hat eine Regenjacke an mit funktionierendem Reißverschluss und ihr macht der Regen nichts aus. In einer Hütte finden sie Unterschlupf mit drei anderen Wanderern aus Israel. Nach einer halben Stunde lässt der Regen nach, die Drei flitzen zurück und wir können bei kurzem Sonnenschein weiterfahren.


    Mitten in der Pampa, steht am Schotterweg ein albanisches Pärchen im Regen und wartet, dass jemand vorbei kommt. Ich glaube nicht, dass hier reger Verkehr herrscht. Wir nehmen sie bis Prekal mit, dort verbringen wir wieder die Nacht an der Kir (an dem Platz standen wir auch mit der Kajakbande). Aaron kriecht erst einmal unter seinen Iveco, der komische Geräusche von sich gibt. Sieht alles gut aus.


    Das Wetter hellt am nächsten Morgen etwas auf. Die Tour nach Theth und zurück in die Zivilisation ist beendet, die Frage: wohin jetzt? Erst einmal ein Café mit Internet suchen, Kaffee trinken und Routenoptionen besprechen. Simon schmiert die schöne weiße Tischdecke mit Kacke voll, die an seinem Ärmel hängt. An meiner Stoßstange hängt Kuhkacke und da ist er wohl vorbei geschrammt, als er einen Blick unter meine Hinterachse geworfen hat.

    Unser nächstes Ziel ist der Ohrid See an der mazedonischen Grenze. Die Albaner fahren als ob es kein Morgen gibt. Es wird in Kurven überholt, Vorfahrtsregeln gibt es nicht und der österreichische Automobilclub gibt nicht ohne Grund folgenden Hinweis: "Das auf albanischen Straßen vorherrschende Fahrverhalten ist im allgemeinen aufgrund einer höheren Risikobereitschaft der Strasseverkehrsteilnehmer mit demjenigen in Österreich nicht vergleichbar. Umsichtiges Verhalten und defensives Fahren ist daher dringend angeraten." Hier haben die Ösis mal nicht übertrieben. Simon und ich sind auf der Straße hoch konzentriert und können gerade noch rechtzeitig nach rechts ausweichen, als ein entgegenkommender Kamikazealbaner auf unsere Spur rüber zieht. Claudia bekommt während der Fahrt öfter Herzrasen oder gibt nervige Quieckgeräusche von sich.


    Der Hunger ruft und es wird ein Zwischenstopp für einen Nachmittagssnack eingelegt. Fleischplatte, Salat, Kartoffeln, eine Art Bruschetta (nur besser), Hackfleischfladen, Obst, Cappuccino, Wasser, Cola und das alles für 15 Euro (nicht pro Person, für alle drei zusammen). Gestärkt geht es weiter an den Ohrid See.



    Direkt am See finden wir einen schönen Campingplatz. Zum Abendessen gibt es nur Rotwein, sind alle noch satt vom Nachmittagssnack.

    Wir sehen den ersten Bunker in Albanien, Simon hält ihn zunächst für die Toilette vom Campingplatz.



    Gut das Claudia zu viele Klamotten dabei hat. Bei ihrer Lieblingshose treten Verschleißerscheinungen auf. Sie ist am Hintern durchgewetzt und man sieht ihren Schlüpper. Sie fragt ihre Mama um Rat, wie sie das am Besten nähen kann. Antwort ihrer Eltern (die ihre Nähkünste kennen): alle Schlüpper in der Farbe der Jeans färben, ansonsten Flicken drauf nähen...


    Die Sonne lacht, der See glitzert und im Hintergrund die Berge mit Schnee.



    Heute wollen wir zum Tanken nach Mazedonien, da kostet der Diesel nur 1 Euro pro Liter (in Albanien 1,35 Euro). Am Nachmittag brechen wir auf, zur Grenze fahren wir eine halbe Stunde. Wir kommen schnell und ohne Probleme aus Albanien raus. Iveco hat nicht so viel Glück. Wir warten eine gefühlte Ewigkeit zwischen den beiden Grenzen. Nach ausgiebiger Drogenkontrolle kommen Iveco und Aaron. Vielleicht hat Aaron nicht so herzallerliebst gelächelt wie Claudia und Simon, als sie am Grenzposten ankamen.


    Wir fahren durch ein paar Dörfer. Die Straßen erinnern Claudia an die Zeit als sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester im Trabi mit 80 km/h über die Schlaglöcher flogen. Hier sind die Straßen noch wie zu DDRs Glanzzeiten.

    An der Tankstelle schließen wir den ersten mazedonischen Kontakt. Ein in Deutschland lebender Mazedonier fragt uns völlig aufgelöst: "Was macht ihr hier?? Was wollt ihr hier?? Ist doch voll Scheisse hier! Kroatien ist viel schöner!"

    Claudia verkneift sich zu antworten, dass wir nur zum Tanken da sind. Aaron antwortet höflich, dass wir hier Urlaub machen. Er schaut die Beiden völlig entgeistert an und schüttelt nur den Kopf, das Gespräch ist beendet.

    Uns gefällt Mazedonien, wir fahren am Ohrid See entlang, überall schöne Dörfer. Wie am Gardasee, nur ruhiger und ohne die ganzen Deutschen. Einen schönen Platz für die Nacht finden wir auch. Es gibt gegrillte Würstchen mit Salat und Lagerfeuer.



    Der frühe Vogel fängt den Wurm, 09.15 Uhr sind wir startklar. Wir wollen einen Pass auf die andere Seite zum anderen See fahren und oben frühstücken. Für den Pass sollen wir fünf Euro pro Auto zahlen, wir fahren weiter und frühstücken am Ohrid See.

    Simon und Aaron beobachten fasziniert wie aus hässlichen grauem Getier wunderschöne Libellen schlüpfen.



    Ohne besondere Vorkommnisse an der Grenze fahren wir wieder nach Albanien. Es geht über kleine Straßen mal geteert, mal geschottert. Irgendwo im nirgendwo machen wir Rast in einem Restaurant, eigentlich nur zum Kaffee trinken und Pancake essen. Als Simon und Aaron die Teller der anderer Gäste sehen, werden sie hungrig. Es wird eine Portion Käse in Honig und Sesam und eine Portion "drunken pork with wine and raki" bestellt und zu dritt geteilt. Ein Gaumenschmaus, das schmeckt so lecker, dass sie das Gleiche als Nachtisch noch mal bestellen. Vollgegessen geht es weiter bis zur osmanischen Steinbrücke und den Thermalquellen von Benja bei Permet.



    Kurz vor Ankunft, lobt mich Simon in den höchsten Tönen, weil ich schnurre wie ein Kätzchen und die Berge hoch und runter flitze. 100 m vor Ankunft gebe ich plötzlich ein klackerndes Geräusch von mir, kommt von vorne. Das ist mir jetzt echt voll peinlich! Aber man soll ja den Tag eh nicht vor dem Abend loben...das hat sich Claudia auch gedacht.

    Nach mehreren Malen vor und zurück fahren steht fest, das Geräusch kommt von der linken Antriebswelle. Was es genau ist, schaut sich Simon morgen an. Jetzt geht es erst mal zum Baden in die Quellen. Das Wasser ist lauwarm, draußen ist es kalt, deswegen wird Claudia morgen früh rein springen.



    Wer hätte das gedacht, vor dem Frühstück geht Claudia tatsächlich mit Simon in den Quellen baden. Nach dem Frühstück gibt es eine kleine Wanderung in den Canyon. Tief in den Canyon kommt nur Simon, Aaron und Claudia schaffen es nicht über den reißenden Fluss.



    Und dann heißt es für Simon und Aaron: Werkzeug raus und ab in den Dreck. Simon packt seinen neuen Arbeitsanzug aus. Die Geräuschursache beim Iveco wird schnell gefunden: zum Glück ist es nicht das Getriebe wie vermutet, sondern eine lockere Auspuffschelle. Bei mir sieht es da etwas anders aus. Da vier Augen mehr sehen und vier Ohren mehr hören, muss sich Aaron mit hinlegen um das Geräusch zu lokalisieren.



    Es ist das innere Gleichlaufgelenk das klackert und höchstwahrscheinlich kaputt ist. Ersatz haben wir dabei, eine Hebebühne wäre nur ganz gut für die OP. Da die Bremsen vom Iveco auch mal durchgecheckt werden müssen (die Beläge sind etwas verglast), suchen wir ein albanisches Autokrankenhaus und werden in eine Hinterhofwerkstatt geführt. Die Antriebswelle ist schnell ausgebaut, wobei die Mechaniker zunächst die komplette Bremsanlage demontieren wollen. Da Simon meine linke Vorderpfote schon mehrmals verarztet hat, konnte er diesen überflüssigen Arbeitsschritt gerade noch verhindern. Im Lager war Wasser. Leider hat das Ersatzlager eine andere Innenverzahnung. Wie das festgestellt wird: in einem kurzen Moment ist Simon nicht anwesend und der Mechaniker haut mit einem 500g Hammer mehrmals aufs Gelenk und es will einfach nicht auf die Welle rutschen... Wutentbrannt stoppt Simon das Geschehen um Schlimmeres zu verhindern. Simon begutachtet das alte Lager, sieht gut aus, reinigt es, fettet es und baut es wieder ein. Immerhin bekommen Iveco und ich noch eine Wäsche vom Feinsten und sehen danach aus wie neu.



    Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen. Aaron und sein Iveco fahren hoch an die Küste, wir wollen runter an die Küste und dann rüber nach Griechenland. Wir sehen uns mit Sicherheit wieder, spätestens in Georgien. Es war super mit euch! Wir freuen uns jetzt schon, euch wieder zu treffen.


    Was mir auch auffällt, in Albanien geht man in den Städten, Dörfern und Straßen nicht mit Hund an der Leine spazieren, nein man führt hier die Kuh an der Leine aus. Die Hunde dürfen alle frei rumrennen und wir lernen immer wieder nette Straßenhunde kennen.



    In Ksamil bei Saranda finden wir einen schönen Nachtplatz in einer kleinen Bucht. Jetzt geht auch noch Claudias Flip Flop kaputt. Simon kann ihn mit Kleber und Fixierband reparieren. Hoffen wir mal, dass der länger hält wie der geklebte Reißverschluss seiner Regenjacke.



    Bei Regen brechen wir am nächsten Mittag nach Griechenland auf und hoffen, dass dort die Sonne für uns wieder lacht.


    Seit 6 Tagen genießen wir Sonne, Strand und Meer. Aktuell sind wir auf Peleponnes. Unsere Griechenlandabenteuer gibt es im nächsten Blogeintrag, ich muss jetzt weiter zur nächsten Bucht :-)...


    Euer ClauSi



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