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Usbekistan: gestrandet in der Wüste, auf dem Grund vom Aralsee und das ein und andere Wehwehchen...

Aktualisiert: 14. Aug 2019

Wir stehen 2,5 Stunden zwischen den beiden Grenzen, das Tor zur usbekischen Grenze bleibt geschlossen. Vor uns stehen zwei Österreicher mit einem alten Fiat Uno, die an der Mongolia Ralley teilnehmen und mit quatschen wird sich die Zeit vertrieben. Endlich öffnet sich das Tor. Wir kommen recht schnell durch und auch hier haben wir als Touristen wieder Sonderstatus. Kein Anstehen an der Schlange für die Passkontrolle und auch für meinen Check-up dürfen wir direkt vor alle anderen Autos fahren. Wieder großes Staunen als sich meine Türen öffnen. Simon muss die Lichterkette und den Ventilator anmachen. Die Grenzbeamten freuen sich und wir dürfen weiter. Und schwups sind wir in Usbekistan! Ist kurz vor Mitternacht. Heute noch weiterzufahren macht keinen Sinn. Wir übernachten vor einem Café direkt hinter der Grenze. Claudia ist sehr dankbar für die 24 Stunden geöffnete Toilette im Café. Im Morgengrauen flitzt sie da öfter hin und kommt jedes Mal recht blass zurück...


Wir brechen früh auf, Frühstück gibt es unterwegs. Die Straße ist wieder ein Alptraum. Nach 50 Kilometer wird es etwas besser. Wir wollen heute zum Aralsee oder besser gesagt was davon noch übrig ist. Wir halten an einem Café und tauschen Euro in Usbekische Som (1 Euro sind knapp 10.000 Usbekische Som). Im Café sitzen Ben und Jean aus Frankreich, sie kommen gerade vom Aralsee und geben uns Tipps wie wir am Besten durchs Nichts über Pisten dorthin kommen.


Jan aus den Niederlanden mit seinem Motorrad und Markus und Steffen aus Deutschland mit ihrem Hyundai Galopper stranden ebenfalls im Café am Rande vom Nichts. Die drei sind auf der Suche nach Benzin und wollen auch zum Aralsee.


Auf dieser Reise bekommen wir nix geschenkt. Einfach mal schnell zum Aral See fahren, Bilder machen und weiter - so einfach geht das nicht. Nein, der Weg dorthin ist harte Arbeit. Wir fahren drei Stunden über eine Staubpiste durch die Halbwüste. Außer einer Herde Kamele gibt es nichts zu sehen. Ich bin eine Staubwolke. Widerlich, ich hasse diesen ollen Staub!



Zwischendrin überholen wir Jan, Steffen und Markus. Die einzigen Menschen die uns im Nirgendwo begegnen. Wir haben noch 20 Kilometer bis zum See, da fängt meine Schaltung an zu spinnen. Es geht kein Gang mehr rein... Schei…! Ich kann mich keinen Meter weiter bewegen. Wir halten im Nichts. Simon zieht den Schlüssel aus dem Zündschloss um von hinten das Werkzeug zu holen. Er öffnet die Heckklappe. Ein Windböe weht ihm den ganzen ollen Staub um die Ohren, er sieht aus wie eine Staubmumie, nur seine Augen sind noch zu erkennen. Simon bittet Claudia den Motor wieder zu starten. Nix. Ich gebe keinen Mucks von mir. Claudia probiert es immer wieder. Sie wird nervös. Nix. Ich bleibe still. Ich fühle mich so elend! Ich kann doch die Beiden nicht hier im Stich lassen. Hier wo nix außer Sand, Staub und ein paar Büsche um uns rum sind. Bis zum nächsten Ort sind es knapp 90 Kilometer zurück. Wir sind alle ratlos. Das ich nicht mehr anspringe, hat nix mit der Schaltung zu tun. Der erste Gang harkt schon seit ein paar Tagen. Das jetzt gar kein Gang mehr rein geht ist blöd; dass ich nicht mehr anspringe ist saublöd. Simon bittet Claudia nicht in Panik auszubrechen. Claudia überschlägt im Kopf wieviel Wasser und wieviel Essen wir dabei haben, falls wir hier länger fest sitzen. Ein paar Tage können wir aushalten. Simon pustet erstmal im Motorraum mit der Luftpistole den ganzen Staub weg. Blöd nur, dass der ganze Staub nach innen wirbelt. In ein paar Sekunden überzieht mich eine dicke Staubschicht. Sofort ist der Staub in jeder Ritze, in allen Schränken, einfach überall. Das ist allerdings unser kleinstes Problem. Simon vermutet, dass der Anlasser im Arsch ist. Haben wir einen Ersatzanlasser dabei? Nein natürlich nicht. Es geht ja meistens auch nur das kaputt, was man nicht dabei hat. Schei...!!! Um den Motor irgendwie zu starten, brauchen wir Hilfe beim Anschieben. Eine Hoffnung gibt es: Jan, Steffen und Markus müssten irgendwann hier lang kommen und haben hoffentlich keine andere Piste genommen. Unsere zwei Glücksbringer (Danke Lilli, Danke Gitta!!!) lassen 25 Minuten später unsere Retter auftauchen! Da fällt uns ein riesen Stein vom Herzen! Erst versuchen sie es mit anschieben, aber ich bin zu schwer, keine Chance mich zum Laufen zu bringen. Die Schaltung funktioniert wieder einigermaßen mit etwas Gewalt. Hyundai zieht mich ein Stück die Piste entlang und juhu ich springe wieder an! Zusammen fahren wir weiter bis zum Aral See und schlagen unsere Nachtlager auf. Steffen ist Flugzeugmechaniker und erkennt ziemlich schnell was mein Problem ist.



Simon und Steffen bauen den Anlasser aus. Alles voller Dreck... Das Lager wird ausgebaut und gereinigt. Und siehe da nach der Reinigung springe ich wieder an. Da sind wir aber alle froh! Simon fixiert das Schaltgestänge provisorisch. Claudia versucht so gut es geht die Staubschicht zu entfernen, damit sie wenigstens halbwegs staubfrei schlafen können.


Endlich können wir den Blick auf den See und die Hammer Landschaft genießen. Es ist wunderschön, aber auch erschreckend zu sehen was vom See übrig geblieben ist.



Nach Essen und Bier gehen alle schlafen, es war ein langer anstrengender Tag. Und doch sind wir froh hier zu sein. Mit Staub und Sand zwischen den Zähnen schlafen Claudia und Simon fix und fertig ein.


Der Sonnenaufgang über dem See ist ein Traum! Dafür lohnt es sich 5.30 Uhr aufzustehen. Danach wird natürlich weiter geschlafen...



Frühstück, Rührei für alle und dann machen wir uns auf den Weg nach Mo'yonq. Unterwegs werden noch Ersatzteile gesammelt: Gummi als Anschlagspuffer für die Vorderachsen vom Hyundai.



Wir fahren oberhalb auf dem Plateau, das ehemalige Ufer des Sees entlang und dann geht es runter auf den ehemaligen Grund. Ein komisches Gefühl. Kilometerweit fahren wir durch den früheren See. Unvorstellbar, dass all das Wasser weg ist. Die Piste ist diesmal nicht staubig.



Nach vier Stunden kommen wir in Mo'ynoq an. Hier waren früher zwei der Haupthäfen für die Fischer, heute ist der See zweihundert Kilometer entfernt.



Unsere Karawane zieht weiter bis nach Qo'ng'irot. In dem kleinen Städtchen mieten wir uns alle in einem Hostel ein, ich bekomme einen Schattenplatz im Hof. Jan, Steffen und Markus nehmen sich ein Zimmer. Claudia und Simon schlafen mit mir im Hof. Dusche, Toilette und Frühstück gibt es für 6 $ p.P. Ab und zu eine heiße Dusche mit viel Wasser tut ja auch mal ganz gut! Vor allem nach dieser Staubaktion! Zum Abendessen geht es in ein Café um die Ecke. Die erste Wahl stellt sich als Reinfall raus. Kakerlaken Alarm und aus der Küche stinkt es unappetitlich, also ab ins Café nebenan. Sieht gleich viel besser aus und das Essen auf dem Grill riecht gut. Das Bier schmeckt auch...


Heute steht Putzen und Wartung auf dem Programm. Claudia wischt mich komplett aus, Simon macht meinen Luftfilter sauber und checkt mich durch. Öl muss nachgefüllt werden, sonst sieht alles gut aus. Unsere drei Retter machen sich auf den Weg nach Nukus. Wir sehen uns sicher wieder auf der Strecke :-)! Die drei wollen auch in den Pamir. Vielen lieben Dank euch!!!


Erinnert ihr euch an Simons geflickte Flip Flops? Sie sind dann doch auseinander gefallen... Jetzt fahren sie im Hyundai mit als Anschlagspuffer für die hintere Starrachse und erweisen noch einen guten Dienst:

Wir wollen eigentlich auch weiter nach Nukus, Simon entscheidet sich aber dafür mein Schaltgestänge auseinander zu bauen und neu einzustellen. Also bleiben wir noch eine Nacht. Am Abend gehen wir mit Wolfgang und Wolfram aus Österreich ins gleiche Café wie gestern. Die Beiden sind hier mit ihren Motorrädern gestrandet. Wolfram hat sich am Fuß verletzt und sie können gerade nicht weiterfahren. Auch sie wollen nach Tadschikistan und Kirgistan.


Nach dem Frühstück machen wir uns auf nach Nukus. Claudia und Simon wollen sich das Sawitsky Kunstmuseum anschauen. Und es lohnt sich! Die Sammlung an russischer Avantgarde ist die weltweit zweitgrößte Sammlung aus dem Zeitraum 1918 bis 1935.



Auf nach Chiva! 60 Kilometer vor Chiva gebe ich ein komisches leises Pfeifen von mir. Oh nee, was ist jetzt schon wieder los?!?!? Ich bekomme keinen Saft von der Lichtmaschine, die Starterbatterie wird nicht mehr geladen. Claudia und Simon sind sichtlich genervt. Die Lichtmaschine hört sich übel an! In der nächsten größeren Stadt halten wir an einer Werkstatt. Leider spricht keiner Englisch und unsere Google Translator funktioniert für usbekisch nicht offline. Es kommt ein junger Student vorbei und hilft beim Übersetzen. Sie können uns nicht helfen, also bringt er uns in eine andere Werkstatt. Die Lichtmaschine wird ausgebaut und das Lager getauscht (sah nicht mehr gut aus). Funktioniert trotzdem nicht. Der Werkstattbesitzer weiß nicht weiter, macht Feierabend und lässt uns stehen. Na vielen Dank auch!


Es wird schon dunkel, wir wollen trotzdem bis Chiva fahren, also düsen wir weiter. Es ist kurz vor zehn als wir alle drei ziemlich fertig und frustriert ankommen. Im Arkonchi Hotel (600 m von der Altstadt entfernt) können wir auf dem Parkplatz übernachten und Claudia und Simon bekommen ein Zimmer zur Nutzung des Bades für insgesamt 8 $ die Nacht. Wir schlafen etwas angespannt ein. Meine Lichtmaschine liegt uns allen im Magen.


Am nächsten Morgen prüft Simon, ob es vielleicht einen Kabelbruch gab. Sieht alles gut aus. Immerhin haben wir hier ein schönes Plätzchen und meine Starterbatterie wird über Strom geladen.



Simon recherchiert und tauscht sich mit seinen T3 Kumpels aus. So wie es aussieht, brauche ich einen neuen Regler oder besser gleich eine neue Lichtmaschine. Eine Lima hier zu finden wird eher schwierig... Simon hat alle Busfahrer im Hotel gefragt, wo er eine Lichtmaschine her bekommen kann. Sie haben alle rumtelefoniert und versucht zu helfen, ohne Erfolg.


Am späten Nachmittag schlendern Claudia und Simon in die Altstadt. Die Stadt ist so wunderschön, zwei Tage genießen Claudia und Simon den ganz besonderen Charme und kommen etwas auf andere Gedanken, dafür sind wir ja schließlich hier.





Wie es mit mir und der Lichtmaschine weitergeht, das erzähle ich euch im nächsten Bericht! Nur schon mal so viel: ich habe es ohne funktionierende Lichtmaschine bis Bukhara geschafft, ca. 455 Kilometer weiter. Die Starterbatterie konnte ich während der Fahrt über mein Solarpanel laden. Während einer Kaffeepause hing ich mal eine Stunde am Strom. Drückt mir die Daumen, dass ich bald eine Ersatzlichtmaschine bekomme und wieder top fit werde! Nur gesund kann ich in die hohen Berge des Pamir fahren...


Euer angeschlagener ClauSi

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