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    • ClauSi

    Teil 2 Pamir: dem Sternenhimmel so nah

    ...nach einem Schwätzchen mit der lustigen Bikergang geht es weiter Richtung Seen.


    Am Nachmittag kommen wir am Bulunkul See an. Herrlich!! Endlich mal wieder Zeit zum Relaxen!! Wenn nur der olle Wind nicht wäre…Draußen sitzen ist am Abend für Claudia, Simon und unsere Nachbarn hier leider nicht möglich. Aber wir wollen nicht jammern, ansonsten haben wir perfektes Wetter.



    Am nächsten Morgen: Sonne, kein Wind, aber Mücken! Mücken auf knapp 4.000 m Höhe. Gegen 11 Uhr kommt der Wind und die Mücken hauen ab. Dann doch lieber Wind statt Mücken. Simon und Markus machen eine Wanderung auf einen Hügel hoch (auch gleich 4.300 m hoch), der Rest chillt am Wasser. Schnell merken sie, dass eine kleine Wanderung in dieser Höhe doch etwas anstrengend ist.



    Wir holpern ein paar Kilometer weiter zum Yashikul See, ich traue meinen Augen kaum: türkises Wasser, Sandstrände, Berge im Hintergrund! How beautiful!




    Am nächsten Morgen machen wir uns auf zum abgelegenen Zorkul See mit einem Schlenker über Alichur, ein recht trostloses Dorf mitten im Nichts. Claudia hofft ein paar Tomaten und Obst zu finden. Nichts! Es gibt nur verfaulte Karotten. Immerhin gibt es frisches Brot und meine Wassertanks werden gefüllt.



    Bis zum Zorkul See schaffen wir es heute nicht. Wir übernachten auf einem Plateau oberhalb vom Fluss mit Ausblick auf die Berge von Afghanistan und Pakistan. Ich krieg mich gar nicht mehr ein, die Orange und ich schauen stundenlang in die Weite.



    Am nächsten Mittag auf dem Weg zum See treffen wir einen grünen VWT4 Syncro aus Deutschland, der gerade aus der anderen Richtung kommt. Drei Syncros im Nirgendwo zum Kaffeeklatsch, das hat was. Der Wind ist heute unerträglich und überall Staub in der Luft. Wir kommen an einem einzigen Haus mit einer Familie vorbei und sehen ein Kamel, mitten im Grenzfluss. Die Frage: ein Afghane, ein Tadschike oder gar ein Pakistani? Und auch sonst ist hier einiges los...



    Wir kommen am See an, aber der Wind ist so heftig, dass wir zum nächsten kleinen See weiterfahren. Trotz meiner 2,8 Tonnen Gewicht, habe ich manchmal das Gefühl, ich hebe gleich ab.



    Wir finden ein etwas windgeschütztes Plätzchen und siehe da, Simon entdeckt in der Ferne Marco Polo Schafe. Er und Markus machen sich auf den Weg und pirschen sich an die Tierchen ran. Simon zählt 55 Schafe. Die sind allerdings nicht blöd, wittern die Beiden unterstützt von den plärrenden Murmeltieren (die kleinen Dicken hüpfen hier im Pamir überall rum) schon von Weitem und hauen ab. Die drei Kilometer weite Wanderung zu den Schafen und zurück hat die Beiden auf 4.226 m Höhe ganz schön erledigt. Als sie zurückkommen, liegt Simons Fernglas immer noch am Lauerplatz. Da wird es auch liegen bleiben...



    Am nächsten Morgen brauche ich etwas länger bis ich in die Gänge komme. Mein Motor ruckelt und zuckelt und springt erst nach 30 Sekunden an. Die dünne Luft und die Kälte der Nacht macht sich nun bemerkbar. Auch Claudia und Simon fällt das Atmen etwas schwerer, sie sind nach der kleinsten Anstrengung sofort aus der Puste und das Schlafen fällt Claudia nachts schwer.

    Wir machen uns auf in Richtung Murghob mit einem Abstecher zum ehemaligen russischen Observatorium. Die Strecke dorthin könnte auch irgendwo im Wilden Westen sein...



    Seit 12 Tagen bin ich nun schon im Pamir unterwegs und es ist für mich bis jetzt das Highlight auf unserer bisherigen Reise. Hier oben auf dem Dach der Welt rumzuhoppeln, jeden Tag diese wunderschönen Ausblicke zu genießen, dem Hindukusch, Pakistan und China so nah zu sein, diese unendliche Weite, diese Abgeschiedenheit, die Ruhe, die teilweise über 6.000 m hohen Gipfel um mich herum, der greifbar nahe Sternenhimmel (ich sehe sogar die Milchstraße), all das macht mich kleinen VW Bus so unendlich happy. Bei Claudia habe ich auch ab und zu ein Tränchen vor Glück kullern sehen. Ach was sind wir drei glücklich hier zu sein. Für Claudia und Simon war die Entscheidung raus aus dem Alltag, raus aus der Komfortzone, rein ins Abenteuer, genaue die Richtige! Ich bin so dankbar, dass sie mich mitgenommen haben. Obwohl, ohne mich wären sie gar nicht hier! Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie auch bis hierher geradelt wären…


    Oben am Observatorium auf 4.300 m Höhe kann man vor lauter Wind kaum stehen, ich bin kurz vor dem Abheben.



    Der Ausblick: Hammer! Schlafen möchte ich hier oben allerdings nicht. Wir fahren runter und suchen einen windgeschützten Platz zwischen den Bergen.



    Am nächsten Morgen können endlich mal wieder alle draußen zusammen frühstücken, die Sonne scheint und es ist windstill. Frida und Mika turnen um die Busse, der Rest genießt das Frühstück, die Stille und Abgeschiedenheit.

    In Murghob die „Metropole“ im Pamir kann Claudia im Containermarkt endlich mal wieder Obst und Gemüse einkaufen.



    Für uns beginnt die letzte Etappe im Pamir. Ich fahre über den höchsten gelegenen Pass der ehemaligen Sowjetunion, dem 4.655 m hohen Ak-Baytal-Pass. Ohne Probleme düse ich die Holperpiste hoch.



    Ich stehe oben am Pass und bin wirklich stolz auf mich! Ich habe alles ohne Probleme und Wehwehchen gemeistert. Claudia und Simon sind auch mega stolz auf mich!

    Vom Pass geht es zum 380 Quadratkilometer großen Karakul See, der größte See von Tadschikistan auf einer Höhe von 3.914 m.



    Der See glitzert türkis, im Hintergrund die weißen Berge. Bei gutem Wetter und wolkenlosen Himmel kann man von einem Aussichtspunkt aus den höchsten Berg Zentralasiens, den Kongur in China (7.719 m) sehen. Das Glück haben wir leider nicht. Okay das stimmt nicht ganz. Vielleicht hätten wir das Glück, aber dafür müssten Claudia und Simon für den Ausblick auf einen Berg wandern, da kann ich sie nicht hochfahren...



    Auch hier bläst wieder ein heftiger Wind und man spürt, dass sich langsam der Winter anbahnt. Es wird Zeit für uns, aus den Bergen zukommen. Noch hatten wir nachts angenehme Temperaturen um den Nullpunkt, tagsüber Sonne und um die 20 Grad. Das wird sich bald ändern.



    Nach einer stürmischen Nacht machen wir uns auf zur Grenze nach Kirgistan. Die Straße ist eine Katastrophe, übelstes Wellblech! Ich hoppel über den letzten Pass (Kyzyl-Art Pass) auf einer Höhe von 4.336 m. Oh Pamir, ich werde dich vermissen!



    Claudia und Simon fällt der Abschied auch schwer, diese andere Welt hier oben hat sich fest in ihre Herzen gebrannt. Den Pamir werden sie sicher irgendwann noch einmal bereisen und hoffentlich wieder mit mir!



    Wir kommen am tadschikischen Grenzposten an, eine Ansammlung aus Bretterbuden mitten im Nichts. Der Wind pfeift, es ist kalt. Auf der einen Seite bin ich traurig den Pamir und Tadschikistan zu verlassen, auf der anderen Seite freue ich mich auf unser nächsten Land Kirgistan!



    Ich bin endlich ein paar Kilo leichter, Claudia und Simon haben sich tatsächlich an die Vorräte aus der Heimat gemacht! Ich bin total verdreckt und freue mich auf eine Dusche in Kirgistan. Claudia und Simon konnten ja Dank meiner Wassertanks und meinem Wasserboiler immer schön heiß duschen.


    Seit drei Wochen erkunde ich bereits Kirgistan. Die meiste Zeit bin ich in Begleitung von Fritz, eine Fritzi wäre mir zwar lieber gewesen... Man kann nicht alles haben und Fritz ist eine echt coole Socke. Aber davon mehr das nächste Mal 😊…


    Euer ClauSi


    P.S. Simon ist seine Parasiten wieder los geworden!

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