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    • ClauSi

    Oman Teil I: Meer, Delphine , ab ins Empty Quarter und der Kamelflüsterer

    Es ist an der Zeit die Vereinigten Arabischen Emirate zu verlassen. Ihre eVisa für den Oman haben Claudia und Simon bereits in der Tasche. Die Ausreise aus den Emiraten verläuft ratz fatz und Schwups stehe ich an der omanischen Grenze bereit zur Einreise.

    Ich bin sehr nervös! Ihr erinnert euch? Zwei Liter Alkohol pro Person sind erlaubt, ich habe definitiv acht Liter zu viel an Bord. Claudia und Simon scheinen das immer noch verdrängt zu haben! Der Zollbeamte startet seinen „Rundgang“ und öffnet die Kühlbox, ihm springt eine 1 Liter Gin Flasche entgegen. Endlich geht auch bei Claudia ein Lichtlein auf. An ihrem Blick erkenne ich, ihr wird heiß, sehr heiß. Wir haben Glück, der Zollbeamte ist mehr daran interessiert, ob ich Allrad habe, Diesel oder Benzin trinke und übersieht die zweite Gin Flasche sowie die 10 Bier direkt daneben. Den 5 Liter Weinkanister direkt vor seinen Augen nimmt er nicht wahr und alle anderen Schubladen bleiben zu. Dort schlummern noch ein weiterer Kanister Wein, eine weitere Flasche Gin und eine Flasche Whiskey. Welcome to Oman!

    Ein paar Kilometer hinter der Grenze schlagen wir unser Nachtlager an einem alten Fort über einer Palmenoase auf. Simon ist krank und deswegen sind wir heute nur die kurze Strecke von Al Ain über die Grenze fahren. Er hat seine erste Erkältung seit unserem Start im November 2018. Die letzten Monate waren sie, bis auf den Parasiten von Simon, kerngesund. Ich glaube, er hat die ollen Klimaanlagen in Abu Dhabi nicht vertragen. Wir machen es uns gemütlich, Claudia kocht Simon eine Hühnerbrühe und verordnet ihm frühe Bettruhe.

    Die Sonne lacht, der Himmel ist blau, die Palmen wedeln in der leichten Brise, ach wie ich jeden Morgen aufs Neue genieße! Simon schläft aus, er fühlt sich etwas besser. Die nächsten drei Tage tingeln wir gemütlich in Richtung Wahiba Sands, eine Wüste im Osten vom Oman, von Norden nach Süden 180 km lang und 80 km breit. Ein kleiner Sandkasten im Vergleich zu anderen Wüsten wo ich schon rum gehoppelt bin. Durch die Wahiba Sands wollen wir ans Meer, auf den Strandurlaub freut sich Claudia ganz Besonders.



    Das geplante Kulturprogramm auf dem Weg zu den Wahiba Sands fällt aus, aber nicht wegen Simons Erkältung. In Bahla und Nirzwa sind die Festungen, Geschäfte und Bazare geschlossen und nur wenig Menschen auf den Straßen. Alle Fahnen stehen auf Halbmast. Wir haben wohl irgendwas nicht mitbekommen?! Der Sultan vom Oman ist leider verstorben und das Land befindet sich in großer Trauer.


    Nach drei Tagen auf Asphaltstraßen ist es soweit, ich setze meine Pfötchen auf Sand und spüre sofort das Kribbeln. Die ersten Kilometer sind allerdings langweilig, es ist eher wie eine Sandautobahn - eine viel befahrene Piste durch die Wüste. Was mich tierisch nervt, es zieht ein Sandsturm auf und vor lauter Sand in der Luft sehe ich fast nichts. Der Sand klebt schon überall an mir und statt besser, wird es immer schlimmer. Wir kommen am Camp 1000 Nights vorbei, Simon fragt mal nach den Wetteraussichten. Der Sandsturm soll morgen auch so bleiben. Also gibt es eine kleine Planänderung: wir fahren den Weg wieder zurück, raus aus der Wüste, weiter zum Wadi Bani Khalid, sitzen dort den Sandsturm aus und kommen übermorgen wieder her.

    Das Wadi Bani Khalid ist ganz schön, nur haben wir wohl verdrängt, dass der Oman ein beliebtes Urlaubsland, vor allem in den Wintermonaten, ist. Claudia und Simon flitzen schnell an den Touristenströmen vorbei zum Wadi. Simon springt ins Wasser, Claudia auch bis zum Knöchel und Beide lassen sich von den Garra-Rufa-Fischen die Hornhaut abknabbern, dafür bezahlt man in Deutschland viel Geld. Mir tun die Fische sehr leid, die haben bei den Beiden ganz schön was zu tun…



    Am nächsten Morgen starten wir einen zweiten Versuch in die Wahiba Sands. Blauer Himmel, Sonne, kein Wind, nur ein leichtes Lüftchen. Im Camp 1000 Nights trinken Claudia und Simon ein Käffchen, lassen sich in einem Golf Buggy über die Anlage fahren und die Bungalows zeigen. Ich warte ungeduldig draußen auf dem Parkplatz. Immer diese Kaffeepausen!


    Endlich sind sie mit ihrer Besichtigung fertig, weiter geht’s. Aber irgendwie packt mich das Wüstenfieber diesmal nicht, die Dünen hier hauen mich nicht vom Hocker, überall wächst Pflanzenzeug, auch der Fahrspaß lässt zu wünschen übrig.


    Wir wollten eigentlich in den Dünen unser Camp aufschlagen und ein bis zwei Tage bleiben, wir fahren lieber weiter ans Meer. Mitten in der Wüste, mitten im Nichts kommen wir an einer großen Mosche vorbei, das finde ich ja echt abgefahren.



    Kurz vor dem Ende bekommen wir dann doch unseren Wow-Effekt: vor uns große Dünen und dahinter glitzert das blaue Meer. Was für ein Anblick, hier bleiben wir für die Nacht, der gemütliche Teil des Tages kann beginnen...


    Die Nacht war so stürmisch, dass ich am nächsten Morgen einen halben Meter tiefer im Sand stehe und das total schief. Egal, Claudia und Simon haben trotzdem wunderbar geschlafen.

    Ich flitze die Dünen runter ans Meer, herrlich! Und so machen wir uns auf den Weg Richtung Salalah, das ca. 800 Kilometer weiter südlich liegt. Der Wind bläst mir um meine Stoßstange, links von mir das Meer, rechts von mir Sandhügel. Ich genieße es am Meer entlang zu fahren, Claudia kommt aus dem Grinsen auch nicht mehr raus. Ja und was sehe ich da? Einen Truck aus Deutschland! Es sind Yvonne und Mirco aus Hof, die beiden haben wir in Kirgistan und Usbekistan getroffen. Die Wiedersehensfreude ist groß! Leider sind sie schon auf dem Rückweg nach Norden, wir düsen weiter Richtung Süden.


    Am Abend kommen wir an den Sugar Dunes an. Die heißen so, weil sie weiß wie Puderzucker sind und direkt im Meer enden. Kurz vor Sonnenuntergang fahre ich mich schön im Sand fest, ich habe den Puderzucker etwas unterschätzt. Mit Hilfe von Fischern bin ich schnell wieder frei und wir können unser Nachtlager aufschlagen. Leider ist es sehr windig und macht das draußen sitzen unmöglich. Claudia und Simon kochen gemütlich ihre letzten Nürnberger Würschtel mit Sauerkraut und genießen das Essen in vollen Zügen.



    Am nächsten Morgen weckt mich die Sonne und das türkis glitzernde Meer, der Wind fegt mir immer noch um die Nase. Wir drehen noch eine Runde durch die weißen Dünen und dann geht es die nächsten zwei Tage weiter am Meer entlang Richtung Süden.



    Während wir so gemütlich dahin tingeln überrascht uns ein riesen Heuschreckenschwarm. Die Viecher sind überall. Die können nicht so schnell ausweichen und klatschen schön gegen mich, ekelhaft! Schnell habe ich raus: bei einer Geschwindigkeit von max. 70 km/h gibt es keinen Matsch und ich sau mich nicht ein.


    Bei Ash Shuwaymiyyah machen wir einen Abstecher in das gleichnamige Wadi und genießen dort die Windstille, den Wind haben wir einfach am Meer abgehängt. Ich mache eine nette Bekanntschaft mit einem neugierigen Kamel. Claudia rennt weg als es auch ihr zu nahe kommt und stürzt sich in die Fluten einer großen Pfütze. Das Kamel, Simon und ich lachen uns schief. Leider hat Claudia die Kamera, deswegen konnte Simon kein schönes Foto von ihrem Stunt machen.



    Zurück am Meer hat sich auch hier der Wind gelegt. Die Küstenstraße wird immer abwechslungsreicher, führt über Berge, an Schluchten, Palmenoasen und Wadis vorbei.



    An einer Bucht machen wir halt und entdecken Delphine! Ein Einheimischer erzählt Claudia und Simon, dass die Delphinfamilie jedes Jahr von Oktober bis Mai in dieser Bucht lebt. In den Morgenstunden sollen sie besonders aufgedreht sein und im Wasser rumspringen. Ein Grund für uns die Nacht hier zu bleiben und morgen früh aufzustehen. Und wir sind nicht alleine! Wir treffen Rebekka, Sebastian und ihre drei Kids mit ihrem VW LT aus Berlin Schöneiche wieder. Die sechs haben wir damals in Kirgistan kennengelernt. Es ist immer schön, bekannte Gesichter wiederzusehen. Und weil es gar so schön ist, verbringen wir gleich zwei Nächte zusammen am Strand. Verhungern muss keiner, die Fischer verschenken Fische, die Männer und Kinder sind mit Fische ausnehmen und Feuer machen beschäftigt, Rebekka und Claudia können entspannen.



    Übrigens der hübsche Lobster durfte weiterleben und durfte zurück ins Wasser. Es hat einfach keiner übers Herz gebracht ihn zu kochen.

    Das Highlight ist das Schwimmen mit den Delphinen, Simon zählt 19 Delphine um sich rum, die ganz nah an ihn ran kommen. Claudia beobachtet sie lieber vom Strand aus und freut sich aus der Ferne.


    Nach zwei Nächten am Delphinstrand ziehen wir weiter nach Salalah, der Ort ist auch bekannt für seinen Weihrauch. Wir wollen noch ein paar Kilometer weiter südlich an die Strände kurz vor der Grenze zum Jemen. Für uns steht nämlich erst einmal Urlaub auf dem Programm. Einfach ein paar Tage am Strand abhängen. Für Claudia ein Traum, Simon und ich werden das auch irgendwie durchstehen. Eine Pause von all dem Reisen und vielen Fahren tut uns sicher auch mal gut. Wir lassen die Seele unter Palmen am Stadtstrand von Salalah baumeln, morgen oder übermorgen soll es weiter an die einsamen Strände gehen.


    Aber es kommt ja meistens anders als geplant. Da ich ja mittlerweile auch ein Instagrammer bin (ihr findet mich unter „clausiroads“), sehe ich, dass Merle und Max aus den Niederlanden mit ihrem Toyota Land Cruiser auch gerade in Salalah sind. Die Drei haben wir damals im Iran knapp verpasst. Also lade wir sie spontan zu uns an den Strand auf einen Kaffee ein. Und sie kommen tatsächlich mit ihrem Toyota, namens Esteban, vorbei. Esteban sieht aus wie mein lieber Freund Oscar mit dem ich viele Woche zusammen unterwegs war. Estaban und ich verstehen uns auf Anhieb. Aus einem Kaffee wird zwei Stunden später Weißwein, aus Weißwein ein Barbecue, aus Barbecue ein fröhlicher Gin Abend. Am nächsten Morgen sind die Drei immer noch da. Am Abend auch. Wir haben ein gemeinsames Ziel: morgen fahren wir zusammen in die Wüste Rub al Chali. Unseren Strandurlaub haben wir auf danach verschoben, ich bin nicht traurig.


    Die Rub al Chali im Oman wollten wir sehr gerne erkunden, wenn wir jemand finden mit dem wir das gemeinsam machen können. Tja und wie der Zufall will, Merle, Max und Esteban wollen da auch gerne hin – gesucht und gefunden! In neun Tagen laufen die Visa von Merle und Max für den Oman ab, da bleiben uns 7 Tage für die Wüste. Max und Simon legen sofort mit der Routenplanung und Vorbereitung los. Es werden Koordinatenpunkte in Offline-Karten gesetzt und Tracks geplant. Wir sind alle voller Vorfreude! Es geht in die größte Sandwüste der Erde, auch das Empty Quarter genannt. Die fast menschenleere Wüste bedeckt das südliche Drittel der Arabischen Halbinsel und erstreckt sich über die Länder Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate (hier habe ich schon reingeschnuppert), Oman und Jemen.


    Am nächsten Morgen ist Aufbruchstimmung: Wassertanks, Vorräte (Croissants, Kaffee, Fleisch, usw.) und Diesel auffüllen, los geht’s. Wir verlassen Salalah, fahren bis Ubar und weiter Richtung Nordwesten in die Dünen. Kurz vor Sonnenuntergang sind wir bereits abseits der Wellblechpisten in der Wüste und schlagen unser Camp auf. Eigentlich ist ein großes Feuer mit Grillen geplant. Der Sandsturm macht allen einen ganz dicken Strich durch die Rechnung. Die Haare, Augen und Zähne voller Sand sitzen Merle, Max, Claudia und Simon bei mir und essen Salat und Käsebrot.

    Am nächsten Morgen hat der Sturm sich verzogen! Das ist auch gut so, denn heute haben wir einen besonderen Tag: Happy Birthday Max!



    Und der Tag wir toll! Ausgiebiges Frühstück, Fahrspaß vom Feinsten, wunderbare Dünen soweit das Auge reicht, Pancakes als Nachmittagssnack und eine tolle Party mit Grillen am Abend. Alle tanzen ausgelassen, Esteban und ich beobachten das Ganze und haben unseren Spaß.



    Am nächsten Morgen sind Esteban und ich top fit, von unseren Mitreisenden keine Spur. Den Vieren fällt das Aufstehen sehr schwer, die Hitze macht das Ganze nicht besser. Der ein oder die andere haben Kopfschmerzen und leichten bis starken Kater. Tja wer feiern kann, kann auch am nächsten Tag wieder Sand schaufeln.



    Am frühen Nachmittag kommen wir endlich weiter. Wir lassen es heute eher gemütlich angehen und suchen uns schnell einen schönen Nachtplatz. Esteban fährt sich beim Ankommen fest. Ich glaube, das liegt aber an seinem Fahrer, der heute nicht mehr schaufeln möchte. Sehr früh gehen alle zu Bett...



    Ich glaube es nicht, acht Uhr morgens fliegt die Tür auf und Claudia klettert raus. Sie hat sich für 8.00 Uhr mit Merle zum Yoga verabredet. Trotz dem Sandsturm ziehen das die Beiden tatsächlich durch, Hut ab. Danach sieht Claudia nichts mehr, ihre Augen sind voller Sand. Es gibt ein schnelles Frühstück und wir brechen auf.



    Zur Mittagspause bekommen wir Besuch und ich entdecke an Simon ein neues Talent: er ist nicht nur ein Hunde- und Katzenflüsterer, nein er ist auch ein Kamelflüsterer. Er ist ganz entzückt von den Tierchen, die sich von ihm streicheln und mit Karotten füttern lassen. Vor lauter Dankbarkeit und Zuneigung möchte ihn ein Kamel küssen. Igitt, die ganze Sabber von dem Vieh tropf runter. Simon möchte den Kuss nicht erwidern…


    Wir finden am späten Nachmittag einen schönen windgeschützten Platz. Ich lasse diesmal Esteban zuerst seine Nachposition einnehmen. Ich mag ihn wirklich gern, aber am Abend zum Schlafen stellt er sich immer sehr nahe an mich. Vielleicht hat er nachts Angst. Oder es liegt an seinem Fahrer? An dem Geburtstagsabend hat Max im bereits angetrunkenen Zustand Esteban noch etwas weggefahren. Dachte er zumindest. Aber eigentlich hat er Esteban nur umgedreht und ist im gleichen Abstand wieder an mich rangefahren. Am nächsten Tag ist er bei der Schlafplatzpositionierung direkt neben mir stecken geblieben… Aber es stört uns nicht und so kann ich Esteban Gutenachtgeschichten erzählen und ihn nachts beschützen.



    Der Wind hört nicht auf, auch am nächsten Morgen pfeift er uns kräftig um die Ohren, trotzdem können wir alle die Schönheit der Wüste genießen. Die Tracks, die Simon und Max raus gesucht haben machen wirklich Spaß. Keine Sorge, wir passen immer gut auf und gehen beim Dünenqueren kein Risiko ein. Auch Esteban hatte bereits knifflige Wüstenerlebnisse, die er nicht wiederholen möchte. Und wir haben ja Claudia und Merle, die uns immer mal wieder etwas einbremsen.


    An unserem letzten Wüstentag drehen Simon, Max und Esteban eine Extrarunde, ich muss mit Claudia und Merle hierbleiben. Na toll! Aber wie sich rausstellt, haben sie mehr geschaufelt als wie sie gefahren sind. Auf jeden Fall habe ich diese Wüstentour wieder sehr genossen und mich im Sand einfach pudelwohl gefühlt!




    Die Wüstenausfahrt ist etwas knifflig, mit viel Schaufeln und dem Einsatz von Sandblechen schaffen wir es raus. Es waren tolle Tage in der Rub al Chali. Danke euch Dreien für die schöne und lustige Zeit! Jetzt heißt es leider Abschied nehmen, aber wir werden uns definitiv irgendwo wiedersehen! Merle und Max machen sich auf Richtung Dubai und weiter nach Saudi-Arabien, wir fahren wieder runter in den Süden, in unseren wohl verdienten Urlaub...

    Es wird komisch sein, nachts niemanden mehr neben mir zu haben :-). Passt gut auf euch auf!


    Ihr fragt euch sicher, wo wir gerade während des Corona Wahnsinns stecken? Kurzes Update: Claudia, Simon und mein Getriebe sind in der Heimat. Ich stehe alleine und krank in Dubai. Wann wir uns wiedersehen ist ungewiss. Warum wir getrennt sind, das erfahrt ihr im nächsten Bericht. Ich habe ja jetzt viel Zeit zum Schreiben...

    Euer einsamer ClauSi

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