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    • ClauSi

    Mit einem Crash, Blaulicht und vollgekotzter Fähre verabschieden wir uns von Marokko

    Nach den gemütlichen Tagen in Zagora treten wir unsere Rückreise Richtung Norden an. Wir fahren zum Stausee bei Ouarzazate und suchen uns ein Plätzchen für die Nacht. Der Stausee erinnert Claudia und Simon an den Brombachsee in der Heimat.

    Ein paar Meter weiter stehen vier alte schrottreife LKWs mit jungen Franzosen. Ich ahne, dass es besser wäre, woanders das Nachtlager aufzuschlagen. Claudia und Simon genießen die Ruhe und den Sonnenuntergang und ahnen nichts. Gegen Mitternacht geht es los: übelste Technomukke. Der Bass ist monoton und unerträglich, Claudia bekommt Herzrasen und wird aggressiv. So einen Technoscheiss kannst du nur als Druffi ertragen. Gegen vier Uhr morgens fliehen wir und suchen uns einen ruhigen Schlafplatz. Am Morgen überlegen Beide, ob sie zurück fahren und die Druffies lautstark (ich habe echt krassen Bass) mit Helene Fischer und "Atemlos" wecken, das ist auch Psychoterror pur (sorry an alle Helene Fans). Doch die Druffies sind schon wach und werfen ihren Technobass selber wieder an. Sie lassen es und genießen lieber ihre Törtchen aus der Patisserie in Zagora.

    Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Ouzoud zu den Wasserfällen. Wir haben in Zagora Renate und Fitzi kennengelernt. Renate hat vor vielen Jahren den Campingplatz Zebra in Ouzoud aufgebaut. Mittlerweile hat der Campingplatz einen neuen Besitzer, soll aber immer noch sehr schön sein und dort wollen wir einen Zwischenstopp einlegen. Es geht eine wunderschöne Strecke über drei Pässe nach Demnate und dann weiter nach Ouzoud.

    Nach ca. einer Stunde Fahrt werden meine Augen größer. Da kommt uns tatsächlich ein Kumpel von mir entgegen. Ein VW T3 Syncro, so wie ich, nur in weiß! Es wird natürlich angehalten und sich gegenseitig bestaunt.

    Die Freude ist groß und Claudia und Simon schnattern ewig mit Tanja und Benny (die Beiden sind seit zwei Jahren unterwegs, erst im Unimog und jetzt im VW T3 www.tour-de-world.com). Da wir heute noch eine große Strecke vor uns haben, fahren wir nach einer Stunde ausführlichem Bustalk weiter. Ich habe mich sehr gefreut, das war der erste T3 Syncro, den ich hier treffe. Es geht gemütlich weiter und die Aussicht wird immer schöner.

    Seit der Piste des Grauens habe ich starke Schmerzen, wenn ich über einen Huckel oder durch ein Schlagloch fahre. Ich sage Claudia und Simon nichts, sie sollen sich keine Sorgen machen. Da ich dumpfe Geräusche von mir gebe, merken sie natürlich, dass etwas nicht stimmt. Nach ein paar Kilometern wird die Teerstraße zur Piste, die gut befahrbar ist. Plötzlich gibt es ein komisches Geräusch, als ob sich bei mir eine Antriebswelle gelöst hat. Wir halten sofort an und Simon checkt mich durch. Sieht alles top aus, nichts ist locker. Simon kann es sich nicht erklären und wir fahren weiter. Die Strecke führt durch wunderschöne Landschaft, die wir genießen, auch wenn wir alle drei auf jedes Geräusch hören.

    Simon überlegt und überlegt, was es sein könnte. Gegen 20.00 Uhr kommen wir in Ouzoud am Campingplatz Zebra an und treffen Renate und Fitzi wieder. Am nächsten Tag werde ich genauestens mit Hilfe von Fitzi, Christian und Ronny (alles erfahrene Defenderfahrer)durchgecheckt, sieht alles gut aus. Und weil Schrauben so schön, helfen sie noch einem alten Ford Transit vom Platz zu kommen.

    Auch wenn bei mir alles gut aussieht, Simon weiß, irgendetwas stimmt nicht. Und sein Gefühl täuscht ihn nicht. Am Abend wirft er einen letzten Blick in meinen Radkasten und bekommt einen riesen Schreck. Er muss gleich zweimal hinschauen, weil er gar nicht glauben kann, was er sieht. Mein Träger der Vorderachse hat sich an vier hochfesten Schrauben gelockert. So etwas kann eigentlich nicht passieren. Simon ist sehr erleichtert, dass er endlich die Ursache der dumpfen Geräusche gefunden hat. Ich ehrlich gesagt auch, ansonsten hätte nach Simons Aussage, ziemlich viel, ziemlich böse kaputt gehen können (inklusive Getriebe). Aber alles gut und alles wieder fest!

    Eigentlich haben wir für Ouzoud ein bis zwei Nächte eingeplant. Es ist hier so schön (toller Campingplatz, lecker Essen, schönes Dörfchen, schöne Wasserfälle und tolle Menschen) und ratz fatz sind vier Tage rum.

    Anne und Dominik kommen auch noch vorbei, da können wir nicht einfach los fahren. Und Claudia trinkt seit 80 Tagen (seit Abfahrt) ihren ersten Aperol Spritz. Danke Anne!

    Es wird allerdings Zeit, langsam die Rückreise anzutreten. Neuer Plan, wir wollen am 12.02. auf die Fähre und über Mohammedia und Asilah nach Tanger Med fahren. Renate, Fitzi, Christian und Ronny gehen morgen auf die Fähre und fahren heute auch bis Mohammedia. Am Camping Ocean Blue wollen wir uns treffen.

    Wir frühstücken alle zusammen, die vier brechen schon mal auf, Claudia und Simon packen gemütlich alles zusammen und fahren los.

    Wir sind alle etwas traurig, Marokko ist ein tolles Land, es gibt noch so viel zu entdecken und wir hatten eine super schöne Zeit. Das Land läuft zum Glück nicht weg und wir werden auf jeden Fall wieder kommen. Marokko war der perfekte Urlaub und eine gute Vorbereitung auf unsere große Reise Richtung Asien. Claudia und Simon sind erholt, entspannt und bereit für das nächste Abenteuer. Einige Klamotten und unnütze Dinge, die sie nicht brauchen werden, fliegen wieder raus (2 Schlüpper reichen,... kleiner Spaß :-)). Dafür werden Dinge eingepackt, die noch fehlen, wie zum Beispiel Yoga-Matte, Hula Hoop, Omnia-Backofen oder Schneeketten. Außerdem haben sie von ihren vielen Reisebekanntschaften gute Tipps und Informationen für die Vorbereitung und Routenplanung bekommen (z.B. nicht viel planen, kommt eh alles anderes). Für mich waren die Pisten hier eine gute Einstimmung auf die Straßen in Zentralasien, von Sand-, Geröll-, Wellblechpisten, Flussbettdurchquerungen und Pisten des Grauens war alles dabei. Mir hat es viel Spaß gemacht, Simon auch, Claudia meistens.


    Doch wer nun denkt, wir verlassen Marokko einfach so, ohne großes Aufsehen, der hat falsch gedacht... Wir düsen nach Mohammedia, jeder schwelgt in seinen Gedanken. Claudia träumt vor sich hin und verpasst es, Simon und mich auf die richtige Ausfahrt zu navigieren. Wir landen in einem Wohnviertel mit kleinen Straßen und vielen Stoppschildern. Simon hält an einem Stoppschild, schaut links, rechts, links, sieht weit hinten ein Auto von links kommen. Ich fahre langsam über die Kreuzung und als ich fast über der Kreuzung bin, rauscht mit voller Wucht das andere Auto, ohne zu Bremsen, in mich rein. Simon hat das Auto nur noch im Rückspiegel anrasen sehen. Es gibt einen lauten Knall... Wir sind alle drei total geschockt! Claudia und Simon steigen aus, zum Glück unverletzt. Das andere Auto sieht übel aus, dem Fahrer scheint es gut zu gehen. Sofort sind ein Haufen Marokkaner auf der Straße und wir bitten die Polizei zu rufen. Nachdem Claudia und Simon wieder klar denken können, wird ihnen bewusst, das weiße Auto war viel zu schnell.

    Ich bin zum Glück nur leicht verletzt, habe Schrammen und Prellungen an der linken Hinterseite. Die Stoßstange ist weggeknickt, steht hinten weg und den Radlauf hat es eingedrückt. Schöne Schei..., jetzt bin ich auch noch links zerschrammelt! Na ja so sieht mein Hintern wenigstens wieder symmetrisch aus, schön eingedellt rechts und links.

    Claudia kullern die Tränchen, sie denkt, sie ist Schuld, weil sie falsch navigiert hat und wir ihretwegen zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Simon beruhigt sie und sagt ihr, dass sie so auf keinen Fall denken darf. Das sehe ich auch so! Sie nehmen sich in den Arm und sind sehr froh, dass ihnen nichts passiert ist und ihre Schutzengel bei Ihnen waren. Liebe Lilli: wieder hat dein Schutzengel auf uns aufgepasst! Liebe Gitta: wieder hat dein Glücksstab uns beschützt!


    Die Polizei kommt und nimmt den Unfall auf, der Fahrer ist längst verschwunden, angeblich im Krankenhaus. Dafür ist jetzt der Besitzer des Autos da. Wir müssen mit zur Polizeistation um den Unfallhergang aufzunehmen. Die englischsprechenden Polizisten sind weg und plötzlich spricht keiner mehr englisch, nur französisch. Renate hilft uns über Telefon mit der Übersetzung und Attila unterstützt uns aus Frankreich (vielen lieben Dank euch Beiden!). Simon kann den Polizisten mit Formeln (Berechnung Bremsweg und Geschwindigkeit) und Zeichnungen erklären, dass der andere definitiv zu schnell war und höchstwahrscheinlich dabei auf sein Handy geglotzt hat, weil er nicht mal gebremst hat. Für die Aufnahme und Übersetzung des Protokolls von Arabisch in Englisch kommt der englischsprechende Polizist wieder. Es sind alle sehr nett und Simon als Ingenieur, der auch noch zwei Wörter arabisch spricht, hat schnell ihre Sympathie gewonnen. Nach drei Stunden dürfen wir die Polizeistation verlassen und werden mit Polizeieskorte und Blaulicht durch die Stadt zur Autobahn gebracht. Auch mal ein tolles Gefühl, eine Straße ganz für sich zu haben - alle müssen uns vorbei lassen. Da staunen die Marokkaner nicht schlech als wir vorbei düsen.

    Es wird langsam dunkel, auf der Autobahn habe ich plötzlich keine Leistung mehr. Kein Problem für Simon: am Seitenstreifen raus, Warnweste an, der Druckschlauch nach dem Ladeluftkühler hat sich gelöst. Während Simon am Schrauben ist, kommt der marokkanische ADAC und sichert schnell den Bereich ab, damit Simon mich in Ruhe verarzten kann. Weiter geht es und gegen halb zehn kommen wir fix und fertig in Mohammedia an. Was für ein Tag!


    Wir können jetzt denken, wir haben aber auch ein Pech (Crash mit der Leitplanke in Spanien, Claudias Sprung gegen den Felsen, meine verbogene Schwinge, zwei kaputte Reifen und nun der Unfall), doch das tun wir nicht.

    Wir denken uns: wir haben so viel Glück! Wir reisen! Es ist nicht mehr passiert! Claudia und Simon sind gesund und haben sich! Ich bin nach wie vor fahrtauglich und habe nur Blechschäden, alles reparierbar. Was lernen wir für uns aus dem Unfall: noch viel vorsichtiger und achtsamer fahren. Wir schlafen alle drei tief und fest.

    Am nächsten Morgen heisst es Abschied nehmen von Renate, Fitzi, Christian und Ronny. Die vier fahren zur Fähre und dann nach Genua und zurück in die Schweiz. Wir fahren heute nach Asilah, morgen zur Fähre und rüber nach Algeciras.

    Unseren letzten Abend in Marokko verbringen wir in Asilah. Claudia und Simon schlendern durch die wunderschöne bunte Medina, suchen ein Restaurant und essen ein letztes Mal marokkanisch. Die marokkanische Küche werden sie nicht vermissen, den Rest des Landes schon.

    So ihr Lieben, wir stehen nun am Hafen in Tanger Med und warten seit 6 Stunden auf die Fähre. Auf die geplante Fähre um 13.00 Uhr durften wir nicht mit (ich glaube wir waren für den Check-in zu spät dran).


    Wir hatten eine tolle und aufregende Zeit in Marokko, Langweile kam nicht auf.

    Wir haben so viele tolle Menschen kennengelernt und hoffen sehr, dass wir in Kontakt bleiben und uns irgendwo auf der Welt wiedersehen!

    Wir sind im Reisemodus angekommen und jeden Tag glücklich darüber, dass wir uns auf den Weg gemacht haben.

    Wir freuen uns auf die neuen Länder, nächsten Herausforderungen und Abenteuer.

    Doch jetzt freuen sich Claudia und Simon erst einmal auf den Zwischenstopp in der Heimat, all ihre Lieben zu Hause und auf gutes Essen & Wein in Spanien...


    Nach insgesamt 9 Stunden am Hafen von Tanger Med (die 17.00 Uhr Fähre hatte 4 Stunden Verspätung) schippern wir mit hohem Wellengang und einer vollgekotzten Fähre zurück nach Europa. Um uns rum übergeben sich die Leute, wir machen uns auf die Suche nach einem "kotzfreien" Bereich. Claudia rutscht halb in Erbrochenem aus, hält sich am Geländer fest an dem auch Bröckchen kleben. Also schnell in die Toilette Hände waschen, alle Waschbecken voll mit Kotze...


    Wohlbehalten kommen wir in Algeciras an und werden uns in Tarifa erst einmal von der Überfahrt erholen, bevor wir die Heimreise an treten :-).





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