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    • ClauSi

    Kirgistan Teil 2: Offroadspass, Reifenpech, Pannenhilfe und Kurzurlaub

    7.00 Uhr morgens klingelt der Wecker, wir wollen früh los hoch in die Berge. Gitta, Franz und Fritz schaffen es vor uns aufzubrechen (ohne Wecker). Sie fahren nach Kochkor und von dort Richtung Songköl-See. Wir wollen über den Tosor Pass auf knapp 4000m nach Naryn und von dort zum See. Spätestens in zwei Tagen ist unser Treffpunkt oben am See.

    Wir machen uns auf den Weg, die Sonne scheint. Die Chancen stehen gut, dass der Pass noch schneefrei ist. Die Strecke gefällt mir, überall hoppeln Pferde und Yaks rum. Gefrühstückt wird unterwegs.

    Easy going flitze ich die Piste hoch, kurz vor dem Pass wird es etwas steiler und recht steinig. Für mich kein Problem! Blöderweise habe ich mir einen Reifen an der Flanke ein bisschen aufgeschlitzt, ist aber nicht schlimm. Die Gletscher und die schroffe Landschaft sind der Hammer! Oben am Pass auf 3892m Höhe ist es kalt und ein bisschen Schnee liegt rum!

    Die Strecke runter vom Pass bis Naryn sind knapp 180 Kilometer Piste. Ich muss durch ein paar Bäche und einen Fluss - kein Mensch weit und breit. Wir fahren durch das wunderschöne Naryn Tal. Und wen treffen wir am Fluss wieder? Tommy und Conny, sie sind vor zwei Tagen mit ihrem MAN LKW über den Pass.

    Die Strecke über den Pass und runter ins Tal gehört mit zu den schönsten und abwechslungsreichsten Offroadstrecken, die ich bisher gefahren bin.

    Wir düsen weiter bis kurz vor Naryn. Das letzte Lebenszeichen von Gitta, Franz und Fritz haben wir gegen Mittag erhalten, dass sie von Kochkor weiterfahren. Es ist mittlerweile Abend und wird gleich dunkel. Wir wissen nicht, ob sie schon hoch zum See sind, im Tal davor auf uns warten oder nach Naryn kommen? Simon versucht Franz zu erreichen. Nix, nur die Mailbox. Wir schlagen unser Nachtlager auf. Simon fällt ein, dass Fritz ein GPS Tracker hat und schreibt Alex, ob er uns die Koordinaten schicken kann. Das ist ein bisschen peinlich, weil Alex vor zwei Tagen noch geschrieben hat, dass er sich um Fritz überhaupt keine Sorgen macht, weil wir dabei sind. Und jetzt haben wir keine Ahnung wo er steckt. Die Koordinaten die uns Alex schickt können nicht stimmen, demnach wären sie nur 20 Kilometer seit Kochkor in 7 Stunden gefahren?! Na Fritz wird die Beiden schon sicher irgendwo hinbringen, wohin auch immer...

    Am nächsten Morgen düsen wir nach Naryn. Gitta meldet sich. Sie waren letzte Nacht oben am See, sind aber jetzt auf dem Weg wieder runter, es ist zu stürmisch und kalt. Wieder runter? Wir wollten uns doch oben treffen und dann westlich vom See Richtung Bischkek fahren. Claudia und Simon sitzen Stunden in Naryn rum bis Gitta, Franz und Fritz endlich auftauchen. Sie wären gerne länger am See geblieben, aber auf knapp 3000m Höhe kommt nun der Winter.

    So und nun? Wo fahren wir als nächstes hin? Richtung Westen und dann hoch nach Bischkek macht von Naryn aus keinen Sinn. Das Wetter soll auch Mist werden. Also düsen wir Richtung Süden und übernachten kurz vor Tash Rabat oberhalb eines Canyon mit ausgetrocknetem Flussbett.

    Wenn das Wetter morgen gut ist, wollen wir über den Börülü Ashuu Pass nach Baetov.

    Ich wache recht früh auf, weil ich nass bin. Igitt Regen! Es schüttet wie aus Eimern! Die Berge um uns rum sind weiss. Okay den Pass lassen wir heute lieber. Zwei Einheimische tauchen plötzlich aus dem Nichts auf, ihr Auto ist unten im Canyon liegen geblieben. Wie sich rausstellt, sind sie seit gestern abend da unten und haben das Auto bereits ganze 50 Meter weit geschoben. Jetzt steckt es in einer Senke fest und sie brauchen Hilfe. Ach nö, nicht so früh am Morgen. Zum Glück ist Fritz voller Tatendrang. So schnell kann ich gar nicht schauen und schon ist er unterwegs das Auto rauszuziehen. Franz und Simon sind zur Unterstützung mit. Gut macht das der Kleine!

    Fritz möchte das Auto ins nächste Dorf bringen, aber die beiden Einheimischen lehnen dankend ab. Sie wollen ihr Auto die 15 Kilometer schieben. Nee, ist klar...?!

    Übrigens haben Gitta, Franz und Fritz einen blinden Passagier. Viele Nächte konnten sie wegen Geräuschen im Bus nicht schlafen. Immer wieder waren sie nachts auf der Suche was es sein könnte. Als sie angefressenen Käse und angefressenes Brot finden wird klar: es ist eine Maus! Eine Maus, die reisen möchte! Ich hoffe nur, die bleibt bei Fritz und zieht nicht bei mir ein.

    Wir düsen nach Tash Rabat zur Karawanserei hinten im Tal. Gitta, Franz, Claudia und Simon machen Sightseeing und werden mit einer besonderen Kaffeepause überrascht: süßes Gebäck vom Feinsten.

    Weil wir den Pass nicht fahren können, flitzen wir die selbe Stecke zurück nach Naryn. Dort treffen wir Jasmin und Markus mit ihrem VW T3 Syncro wieder. Gitta und Franz haben für die Beiden auch Sachen aus Deutschland mitgebracht und endlich findet die Übergabe statt. Nach einem gemeinsamen Mittagessen geht es weiter bis Kochkor. Weil das Wetter sehr ungemütlich ist, übernachten wir im Happy Hostel, Gitta und Franz nehmen sich ein Zimmer.

    Am nächsten Tag geht es noch schnell in den Souvenirshop um die Ecke und dann düsen wir zum National Park Ala Archa südlich von Bischkek. In drei Tagen ist die Zeit in Kirgistan für Gitta und Franz schon wieder rum und sie fliegen zurück nach Hause. Es regnet und wegen dem Nebel sehe ich so gut wie nix. Trotz schlechter Sicht, finden wir einen schönen Platz zum Übernachten. Es ist der erste Abend seit zwei Wochen, dass man nicht draußen sitzen kann. Also gibt es heute Brotzeit bei Fritz und ich habe mal meine Ruhe!

    Der Regen hat sich verzogen und am Morgen lacht die Sonne wieder! Gitta, Franz und Simon brechen auf zu einer Wanderung. Claudia macht es sich mit mir gemütlich, wir haben zu arbeiten - Bilder für den nächsten Blog müssen rausgesucht werden. Per Funk bekommen wir wieder den Stand der Wanderung mitgeteilt. Simon flitzt bis zum Gletscher hoch, seine Eltern hat er schon mal zurück geschickt.

    Aber wie Eltern nun mal sind, sie warten 1,5 Stunden in der Kälte auf ihren Sohn am Wegesrand. Gemeinsam laufen sie den Weg wieder runter. Franz kommt ins Rutschen, dreht sich 360 Grad und fällt steil hinunter Richtung Felsbrocken. Simon kann gerade noch dazwischen springen, ihn in eine andere Richtung schupsen, so dass er nicht mit dem Kopf gegen den Fels knallt, sondern auf seiner Schulter landet. Der Schock sitzt tief, aber mit Bier und Schokolde kann Franz am Abend wieder lachen. Die Schulter schmerzt, aber sonst ist zum Glück alles heile.

    Heute geht es zurück nach Bischkek und wir müssen uns von Fritz verabschieden. Der Kleine ist uns allen ans Herz gewachsen! Auch wenn er für jede Tür einen extra Schlüssel hat (warum versteht keiner), die Hecktüren so verzogen sind, dass man durchschauen kann, der Allrad klemmt und er ziemlich zerschrammelt aussieht, ist er eine coole Socke!

    Gitta und Franz gönnen sich ein schönes Zimmer im Blue Camel Guesthouse. Claudia und Simon schlafen mit mir davor. Claudia wäscht Berge von Wäsche und am Abend geht es zum Abschiedsessen. Es war eine tolle Zeit mit euch und wir hoffen, ihr werdet das Abenteuer in Kirgistan nicht so schnell vergessen und in besonderer Erinnerung behalten :-)!

    Am nächsten Morgen düsen Gitta und Franz um 7.00 Uhr zum Flughafen. Claudia und Simon ziehen ins Guesthouse, Simons Eltern haben den Beiden für eine Nacht ein Zimmer spendiert. Das ist die erste Nacht seit der Türkei, dass wir getrennt schlafen und tut uns Dreien mal gut.

    Wir bleiben noch einen weiteren Tag in Bischkek. Ich brauche einen Ölwechsel und drei meiner Pfötchen müssen repariert werden. Ein Pfötchen hat einen Riss und verliert Luft, die anderen Beiden haben Schnitte an den Flanken. Simon und Claudia gehen auf Shopping Tour: ein Stativ für die Kamera, eine kleine DJI Kamera zum Filmen und schnell sind einige Euro weg.

    Wir machen einen Ausflug in die Berge hinter Bischkek. Morgen können wir den reparierten Ersatzreifen abholen. Der Ausblick ist wunderschön und Simon flitzt voller Freude mit seinem neuen Stativ durch die Gegend, Claudia genießt die Ruhe und wird hin und wieder aus dem Bild gescheucht.

    Wir verlassen Bischkek und machen uns auf den Weg Richtung Peak Lenin an der Grenze zu Tadschikistan. Als wir vor knapp vier Wochen über den Pamir nach Kirgistan kamen, war das Wetter dort nicht so dolle und wir konnten die Berge nicht sehen. Und deshalb fahren wir noch mal zurück, was sind schon 800 Kilometer...

    Es erwartet uns wieder ein "schöner" Tunnel ohne Licht und Ventilation wie in Tadschikistan, nur nicht ganz so lang. Claudia nimmt ihre Rescue Bachblütentropfen zur Beruhigung und ist bereit für die Durchfahrt. 500m vor dem Tunnel verliere ich Luft! So was Blödes aber auch! Zum Glück bemerkt es Simon kurz vor der Tunneleinfahrt! Ein olles scharfes Stahlteil hat sich in meinen frisch reparierten Reifen gebohrt! Das Reifenglück ist gerade nicht auf meiner Seite. Also Reifen wechseln und Simon flickt gleich das Loch vom kaputten Reifen. Danke Andre für deine gute Anleitung und Hilfe per Whats App! Claudia sitzt über eine Stunde vor dem Tunnel, die Wirkung der Tropfen lässt nach, also haut sie sich noch eine Dröhnung rein. Neben uns steht ein fetter Kamaz Truck und lässt Simons Herz höher schlagen. Nach getaner Arbeit darf er sich mal reinsetzen...

    Mit heilen Reifen durchqueren wir den Tunnel und sind alle froh, dass wir nicht hier drin Reifen wechseln müssen.

    Am wunderschönen Toktogul Reservoir legen wir einen Übernachtungsstop ein. Aus dem Übernachtungsstop werden spontan fünf Tage Kurzurlaub mit herrlichem Sommerwetter am See. Lesen, Joggen (Simon), Hula Hoop (Claudia), relaxen, lecker kochen, Sonne geniessen, Wein trinken... Ich muss fünf Tage keinen Meter fahren, Claudia hat Zeit ihre Malsachen auszupacken und ich bekomme von Simon eine Außenluftansaugung für die Standheizung gebastelt.

    Voller neuer Energie und Tatendrang machen wir uns wieder auf den Weg...

    Bis bald!

    Euer ClauSi

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