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Kirgistan Teil 1: Schnee, Beachlife und Besuch aus der Heimat

Aus Tadschikistan sind wir schnell ausgereist. Ca. 20 Kilometer gurke ich durch Niemandsland mit Hammer Gletscherausblicken. Ein paar Yaks starren mich an und rennen davon.

Die Piste möchte ich bei Regen nicht fahren, das wäre die reinste Schlammschlacht. Wir kommen zum kirgisischen Grenzposten, ein paar Baracken im Nirgendwo. Claudia, Simon und ich sind schnell eingereist. Welcome to Kirgistan! Das Wetter ist heute leider sehr diesig und wir können die hohen Berge nur erahnen.



In Sary Tash, dem ersten Dorf nach der kirgisischen Grenze treffen wir die Orange, Markus, Sanne und Kids wieder, sie sind heute morgen recht früh los gefahren. Eigentlich wollten wir heute zum Peak Lenin. Da dort die nächsten Tage kein gutes Wetter gemeldet ist, werden wir wie Orange & Co Richtung Osh fahren. Wir übernachten in einem Tal am Fluss und ich stehe die letzte Nacht neben der Orange, dann werden sich unsere Wege trennen. Es hat riesen Spass gemacht mit einem VWT3 Syncro auf Tour zu gehen. Sie werden bald nach Usbekistan düsen und dann über Turkmenistan in den Iran. Wir werden erst einmal ein Weilchen in Kirgistan bleiben, bevor es für uns Richtung Iran geht.


Auf nach Osh, die erste große Stadt seit Duschanbe in Tadschikistan. Claudia und Simon quartieren sich im Guesthouse Visit Osh ein, hier können wir im schönen Garten schlafen. Erstes to do: Wäsche waschen. Wird Zeit, die Schlüpper werden knapp!

Am Abend treffen sich Claudia und Simon mit Sanne, Markus und den Kids zum Abschiedsessen. Ihr Lieben, s war eine tolle Zeit mit euch!


Wir bleiben noch einen Tag in Osh. Claudia und Simon genießen nach der Einsamkeit im Pamir den Trubel, die Cafés, den Basar und das leckere Essen. Und Simon schafft es endlich zum Friseur.



In 8 Tagen sollten wir in Bischkek sein, da kommen Simons Eltern für zwei Wochen nach Kirgistan. Sie haben sich eine russische Buhanka von Alex Johnson gemietet, mit der werden sie mit uns durchs Land tingeln. Auf dieses Gefährt bin ich gespannt! Ich hoffe die oder der spricht nicht nur russisch und ist keine lahme, langweilige Gurke.

Jetzt geht es erst einmal zum Song-Köl See. Überall kommen mir Schafe, Kühe, Ziegen, Esel und Pferde entgegen. Die Tierchen werden aus den Bergen in die Täler getrieben, das bedeutet: der Winter steht vor der Tür! Auf Schnee habe ich keinen Bock! Da Claudia auch kein Fan von Wintercamping ist, werden wir uns aus dem Staub machen, sobald der Wintereinbruch kommt. Jetzt haben wir schönstes Herbstwetter, alles bunt. Kuchenpause in Jalalabad und kurz vor dem Koldama Pass (3062m) finden wir einen schönen Platz für die Nacht.



Die Sonne kitzelt mich wach, auch Claudia und Simon kriechen früh aus den Federn. Wir machen uns startklar und ich düse übermütig los. Bevor es den Pass hochgeht, hören wir ein Zischen. Das kommt vorne rechts aus meinem Reifen, der scheint wohl ein Loch zu haben. Immerhin hat er recht lange gehalten. Es ist mein in Marokko geflickter Reifen, den ich mir auf der Horrorpiste aufgeschlitzt habe. Also Kompressor an und alle paar Kilometer Luft reinpumpen. So flitze ich den Berg hoch. Je höher ich komme desto mehr Schnee rechts und links.



Kurz nach dem Pass tauscht Simon den Reifen aus, das ständige Aufpumpen nervt. Neben uns steht ein alter Toyota J4 aus der Schweiz, coole Karre! Jonas, Bianca, der Papa von Jonas und ein französisches Pärchen klettern aus dem Auto. Während dem Reifenwechsel bläst der olle Wind meine Reifenabdeckung den steilen Abhang runter. Na super, die bin ich wohl los. Der Franzose zieht seine Bergstiefel an und springt tatsächlich hinterher! Vielen Dank!!!



Wir ziehen weiter, fahren durch Kazerman und finden für die Nacht einen Platz in den Bergen auf eine Hügel mit 360 Grad Panorama! Claudia kocht Kartoffelpuffer, Simon ist auf der Pirsch und erspäht ein Stinktier, ich genieße die Ruhe und die Aussicht.



Weiter geht's zum Song-Köl See. Die Strecke ist wunderschön was die Landschaft betrifft, die Straßen sind alles Schotter- oder Wellblechpisten und ich fahre eher langsam.



Kurz vor dem Pass zum See hoch treffen wir die Schweizer mit ihrem Toyota in einem Café wieder. Ich schlängle mich den Weg hoch zum Pass und dann funkelte der See auf knapp 3000m Höhe vor mir! Wie im Bilderbuch. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen am See. Es zieht langsam zu, also Standheizung an und Isolierbalg ums Dach, es wird eine kalte Nacht.



Am nächsten Morgen ist es grau und sieht nach Schnee aus. Wir wollten eigentlich ein bis zwei Tage hier bleiben, aber das Wetter wird ungemütlich. Am frühen Nachmittag brechen wir auf. Ich hoppel über übelstes Wellblech, zum Kotzen! Bevor es den Pass runter geht, gibt es eine späte Mittagspause mit Schmankerl aus der Heimat: Weisswürste mit süssem Senf (ein riesen Dankeschön an Tanja :-)), Salzbrezn und Weizen!!! Oh da lacht Simons Herz!



Mir tun meine Knochen von der ollen Wellblechpiste weh. Auf dem Weg runter ins Tal Schnee! Igitt! Meine Pfötchen müssen durch den kalten Schnee. Bei schönem Wetter ist es sicher herrlich hier, jetzt will ich nur weg. Unten im Tal kurz vor dem Dorf Kengsu sehe ich einen MAN LKW aus München stehen. Es sind Conny und Tommy und ihr MAN (www.mantoco.com), die seit sieben Jahren auf Reisen sind. Wir bleiben für die Nacht hier und bei strömenden Regen machen es sich die Vier im LKW gemütlich. Ich komme mir neben dem LKW wie ein Zwerg vor.


Am nächsten Morgen bekommen wir Besuch zum Frühstück: Elisabeth und ihr Hund Rex. Sie ist in Deutschland geboren, lebt seit 25 Jahren in Australien und ist vor ein paar Monaten mit ihrem Camper und Rex los. Hut ab!




Wir machen uns auf den Weg nach Bischkek. In zwei Tagen kommen Simons Eltern und es müssen noch die Visa für Iran und Turkmenistan organisiert werden. Die Straße ist endlich mal wieder asphaltiert, Balsam für mein Fahrweg - ich gleite senftengleich durch die Landschaft. Und dann sehe ich sie: Bullen! Und natürlich winken sie mich raus. Angeblich war ich zu schnell. Dank meiner Dashcam kann Simon sofort die Geschwindigkeit prüfen. Und tatsächlich: ich war zu schnell..., das könnte teuer werden. Dank Simon werden wir nach 25 Minuten vom Polizisten wutentbrannt weggejagt, ohne was zu zahlen...


Bischkek ist cool, hier gibt es fast alles. Vor allem alten Sowjetstyle, coole Cafés und fancy Restaurants. Am nächsten Tag ist der erste Weg zur iranischen Botschaft. 45 Minuten später bekommen Claudia und Simon ihre Iran Visa persönlich vom iranischen Botschafter überreicht. Die ID für die Visa haben sie unkompliziert über die Agentur Tappersia innerhalb von drei Tagen bekommen. Jetzt erstmal Mittagessen und danach zum Kaffee trinken. Zur turkmenischen Botschaft geht es morgen.


Am nächsten Morgen fährt Simon zum Flughafen, seine Eltern abholen. Claudia und ich schlafen noch ein bisschen. Gitta und Franz sind gut angekommen, aber es fehlen zwei Koffer. Die sind wohl noch in Nürnberg. Dort wurde Franz, während er sich ein Weizen vor dem Flug gegönnt hat, zur Gepäcknachkontrolle ausgerufen. Die vielen Ersatzteile inklusive neuem Anlasser für mich in den Koffern haben die Beamten anscheinend etwas stutzig gemacht... Ich bin ganz froh, die meisten meiner Ersatzteile sind in der grossen Tasche, die angekommen ist. Ach wie ich mich über meine Mitbringsel freue! Auch Claudia und Simon haben sich einiges aus der Heimat mitbringen lassen. Vielen lieben Dank, dass ihr all eure Koffer und Taschen für uns so voll gepackt habt und ein paar unruhige Nächte wegen meinen Ersatzteilen hattet! Und vielen lieben Dank an Anette und Thomas in Montenegro für die mitgeschickte selbstgemachte Hagebuttenmarmelade, die Simon so gerne mag!



Es gibt ein ausgiebiges Willkommensfrühstück in einem netten Café um die Ecke. Liebe Gitta, lieber Franz Welcome to Kirgistan! Dann machen sich Simon und Claudia auf zur turkmenischen Botschaft, Gitta und Franz bummeln in die Stadt. An der turkmenischen Botschaft crasht Claudia ihr Handy während sie die Antragsformulare ausfüllt und nervige Käfer vertreibt (übrigens das zweite Mal auf der Reise). Und dann muss sie die Formulare noch mal ausfüllen, weil sie einen roten Kugelschreiber benutzt hat. Der turkmenische Botschaftsmitarbeiter ist ganz außer sich: rot ist verboten! Also noch mal den ganzen Mist ausfüllen. Innerhalb von 10 Tagen sollen sie den Voucher für die Visa erhalten. Na da sind wir mal gespannt.


Es wird Zeit die Buchanka abzuholen, Franz, Gitta und Simon machen sich auf den Weg. Es sind alle sehr gespannt und ich erst. Und dann steht mein Reisebegleiter für die nächsten zwei Wochen vor mir. Eine grüne Buhanka, Baujahr 2018 (voll das Baby), sieht aber wesentlich älter aus, so abgewetzt wie die ist. Ach ja, auch wenn es "die Buhanka" heißt, sie ist männlich. Ich mag ihn auf Anhieb, ich glaub er mich auch. Gitta ist noch nicht ganz überzeugt: die Campingausstattung lässt zu wünschen übrig und ist nicht ganz nach ihrem Geschmack, hier besteht Handlungsbedarf. Die erste Fahrt mit der Buhanka vom Abholort zum Guesthouse hat Gittas und Simons Nerven sehr strapaziert. Zwei rote Ampeln haben Franz und die Buhanka übersehen und Franz hat sich sofort dem kirgisischen Fahrstil zum Leid von Gitta angepasst. Zum Glück ist alles heile geblieben. Morgen kann es losgehen, sobald die vermissten Koffer abgeliefert werden.


Gegen Mittag kommen tatsächlich die Koffer an. Wir sind startklar. Gitta hat die Buhanka wohnlich eingerichtet und noch etwas Campingequipement besorgt. Ab zum Supermarkt, Vorräte auffüllen und los geht's. Wir quälen uns durch den Verkehr raus aus Bischkek. Da ich der Ältere bin, fahre ich voraus, Fritz folgt mir. Gitta und Franz haben die Buhanka liebevoll Fritz getauft. Die erste Nacht verbringen wir am Burana Tower, eine der ältesten Minarette in Zentralasien.



Unser nächstes Ziel ist der Yssykköl See. Da soll es wie am Meer sein. Wir halten am Kongorchok Canyon für eine Wanderung. Claudia hat keine Lust auf rumlatschen, sie will ans Wasser. Simon lässt sie aber nicht bei mir und wie immer ist sie sehr dankbar für den "Tritt in den Hintern". Die Wanderung hat sich gelohnt!



Fritz und ich nutzen die Zeit, um uns besser kennenzulernen. In seinem einen Lebensjahr ist er schon viel in Kirgistan und Kasachstan rumgekommen. Er klagt mir sein Leid darüber, wie die Leute die ihn mieten, quälen, schinden und keine Ahnung vom Offroadfahren haben. Jetzt verstehe ich warum Fritz so ramponiert aussieht. Ich verspreche Fritz, dass ich gut auf ihn aufpasse und dass wir ihn nicht quälen werden!


Wir düsen weiter zum See, der warme Wind weht uns um die Kühlerhauben. Wir haben Sommerwetter: 25 Grad, blauen Himmel, Sonnenschein. Der See taucht vor uns auf, rings rum die Berge. Da der Nordteil sehr touristisch sein soll, wollen wir den Südteil erkunden. Die nächsten Tage heißt es Urlaub am Yssykköl See! Es ist tatsächlich wie am Meer! Und aus drei geplanten Tagen am See werden sieben!


Zwei Nächte verbringen wir an einem herrlich Spot in der Nähe von Barbulak. Fritz und ich chillen einfach nur rum. Claudia packt endlich mal wieder ihren Hula Hoop aus, auch Simon kramt sein ganzes Sportequipment aus. Gitta und Franz gehen schwimmen und geniessen die Idylle. Es wird der erste Kuchen im Omnia gebacken, lecker gekocht und am Abend gibt es Lagerfeuer.



Nach zwei Tagen ziehen wir ein paar Kilometer weiter, besuchen ein Yurtencamp und machen einen Stop im Fairytail Canyon.




Nicht weit vom Canyon finden wir den nächsten perfekten Lagerplatz kurz vor Tosor. Die erste Offroaderfahrung für Franz im Sand: Fritz und er bleiben stecken. Also Schaufeln raus und Allrad rein... Und danach chillen am Strand :-).



Es geht ein paar Kilometer weiter Richtung Karakol auf eine Landzunge im See. Das letzte Stück geht über eine Schotter- und dann Sandpiste zum Strand. Franz und Fritz sind mittlerweile ein eingespieltes Team und hoppeln easy über die Pisten. Der Strand ist ein Paradies!!! Wir sind nicht allein: Aneta und Christian aus Regensburg stehen mit ihrem DAF Militär LKW (www.traveling-sundancer.com) schon ein paar Tage hier. Wir schlagen unser Lager auf. Ich stelle mich direkt auf den Strand, besser geht es nicht, ein Deluxe Plätzchen. Fritz bleibt lieber auf der Wiese, er will nicht wieder im Sand stecken bleiben. Am Abend gibt es eine grosse gemütliche Lagerfeuerrunde mit Wein aus der Mongolei und Georgien.



Aneta, Christian und ihr Truck ziehen am nächsten Tag weiter, wir bleiben noch eine Nacht. Im Iran oder Oman werden wir uns sicher wiedersehen.


Wir verlassen diesen Traumstrand, Claudia hätte es hier locker eine Woche ausgehalten. Auf dem Weg nach Karakol biegen wir spontan ins Valley of Flowers ab. Und wenn sehe ich da auf der anderen Straßenseite: Conny, Tommy und ihr MAN, sie kommen gerade aus dem Tal. Wir fahren weiter ins Tal rein und übernachten am Fluss.



Simon, Gitta und Franz brechen früh auf zur Wanderung. Claudia bleibt bei mir und hilft mir beim Schreiben für den Pamir Blogeintrag, ich bin etwas in Verzug. Fritz schaut uns zu und ist ganz angetan wo ich schon überall war. In den Pamir möchte er auch so gerne mal. Die anderen Drei genießen die Wanderung und Simon lässt uns immer wieder über Funk (Walkie Talkie) daran teilhaben wo sie gerade sind. Das stört manchmal ein bisschen, weil ich mich aufs Schreiben konzentrieren will.



Glücklich und zufrieden kommen sie am Nachmittag zurück. Kaffeepause, ausruhen und dann machen wir uns auf den Weg nach Karakol. Die Stadt ist nicht direkt am See und wir quartieren uns im Riverside Guesthouse ein. Gitta und Franz gönnen sich ein schönes Zimmer, mal wieder ein bisschen Luxus, obwohl sie mittlerweile ihren Fritz sehr liebgewonnen haben.


Am nächsten Morgen gibt es leckeres Frühstück im Guesthouse und kurz vor Aufbruch sehen Franz und Gitta was passiert ist: Fritz ist verletzt. Nur eine Schürfwunde. Die Eisenstange hinter ihm, ist auf ihn gefallen. Nicht schlimm und wir können weiter. Claudia und Simon verfallen im Yssykköl Brand Shop in Kaufrausch. Da werden Filzkissen für ihre Campingstühle gekauft, ein Filzbrillenetui für Simon und einen Filzgeldbeutel für sein Taschengeld, ein Filzuntersetzer für die Küche und Souvenirs für die Lieben daheim. Nach der Shoppingtour und einigen Som ärmer geht es zurück am See entlang zu unserem Nachtplatz vor ein paar Tagen in der Nähe von Tosor. Von hier aus möchten Simon, Claudia und ich morgen den Tosor Pass (3893m) probieren und hoffen er ist noch nicht eingeschneit. Fritz wird mit Gitta und Franz eine andere Strecke fahren. Für diesen Pass ist Fritz noch zu jung und unerfahren. Ausserdem ist dieser Pass im Mietvertrag für Fritz explizit ausgeschlossen. Spätestens am Song-Köl See wollen wir uns in zwei Tagen wieder treffen. Ob wir den Pass schaffen und ob wir die anderen tatsächlich oben am Song-Kül See treffen, das ist eine andere Geschichte...


Bis bald Euer ClauSi

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