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    Iran: Shopping in Isfahan, Schaufel & Sandbleche in der Wüste Lut

    So ihr Lieben, ich bin ganz schön in Verzug mit dem Schreiben! Wir sind mittlerweile im Oman, unserem Winter- und Urlaubsziel angekommen und vor lauter Entspannung habe ich echt wenig Zeit :-)! Dabei habe ich so viel zu erzählen. Also macht es euch gemütlich und geniesst unsere Iran Highlights.

    Nach unserem kurzen Sandabstecher in die Dasht-e Kavir geht es nach Isfahan. Claudia und Simon gönnen sich ein schönes Zimmer im Guesthouse Nargol. Ich muss draussen auf der Strasse stehen. Geplant sind drei Nächte, es werden sechs draus. Ich habe nichts anderes erwartet. Claudia und Simon werden herzlich von Amir und Foruzan, den Besitzern dieses kleinen Paradies, aufgenommen und mit in Foruzans Familie integriert.

    Die Stadt gefällt den Beiden sehr, es gibt viel zu sehen und der Basar lässt Claudias Herz höher schlagen.

    Im schönen Innenhof vom Guesthouse können sie entspannen, während ich auf der Straße rumstehe und mir doch tatsächlich meine Antenne geklaut wird. Ich glaubs ja nicht! Das langweilige Rumstehen hat schnell ein Ende. Mein Freund Oscar kommt angedüst! Femke, Wiegert und Jam quartieren sich im Guesthouse ein und Oscar und ich stehen zusammen blöd rum. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

    Simon verabredet sich mit Iranern zum Klettern und genießt die Zeit am Felsen. Es wird allerdings mehr gekocht, gegessen und geschnattert als geklettert.

    Ich muss mal wieder operiert werden. Seit ein paar Tagen habe ich ein lautes Wummern, dass Simon keine Ruhe lässt. Zum Glück ist Dank Foruzas Dad schnell eine Werkstatt gefunden, in der Simon selber schrauben kann. Zwei Tage operiert er an mir rum, beide hinteren Radlager werden neu eingepresst, da beide zu viel Achsialspiel haben. Leider war das nicht die Ursache, das Wummern ist immer noch da.

    Die sechs Tage vergehen schnell und es wird Zeit für uns Isfahan zu verlassen, schließlich wollen wir noch nach Yazd und in die Wüste Lut. Femke, Wiegert, Jam und Oscar sind einen Tag vor uns los. In Yazd treffen wir uns wieder und hoppeln zusammen in die Lut. Oscar ist schon ganz aufgeregt, es wird seine erste Wüstenfahrt. Gut dass er mich dabei hat.

    Wir verlassen Isfahan und übernachten versteckt hinter einem Hügel, weg von der Straße. Gestern war der 1. Advent, wird Zeit die Weihnachsdeko raus zu holen. Ich habe mich schon gefagt, wann Claudia sie endlich auspackt. Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.

    Relativ früh brechen wir nach Yazd auf, die Strecke ist an einem Tag zu schaffen. Ich muss schon sagen, die Straßen hier sind in einem sehr guten Zustand. Aber die grösste Freude bereiten uns die Dieselpreise: 2 bis 6 Cent der Liter. Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Da kommen Simon Freudentränen beim Tanken. Diesel zu bekommen ist kein Problem, auch wenn wir keine Tankkarte haben. Da ich ja auch ein kleiner Truck bin, geben uns die Truckerfahrer gerne ihre Tankkarte, damit wir tanken können.

    Ich flitze den Highway entlang und siehe da, wenn erspähe ich von Weitem? Meinen Freund Oscar! Zusammen fahren wir weiter nach Yazd und finden den perfekten Stellplatz, mitten in der Stadt vor dem Silkroad Hotel. Hier können die anderen Toiletten, Duschen und WLAN nutzen. Yazd ist ein kleines gemütliches Städtchen, in der es in de kleinen engen Gassen viel zu entdecken gibt.

    Simon lässt das Wummern keine Ruhe und findet endlich die Ursache: das vordere linke Radlager. Also ausbauen, zur Werkstatt mit einer Presse fahren, neues Radlager einpressen und alles wieder zusammen bauen. Wiegert hilft ihm dabei, vielen Dank!

    Und juhu, mein Wummern ist weg und wir können mit einem guten Gefühl in die Wüste fahren.

    Claudia und Simon finden ein paar schöne Dekosachen. Nee nicht für mich, für ihr neues Zuhause, das sie irgendwann mal wieder haben werden.

    8.00 Uhr Frühstück, Geld wechseln, Einkaufen, Tanken und nach zwei Nächten in Yazd geht es los Richtung Kerman. Kurz vor Kerman suchen wir uns einen Schlafplatz abgeschieden in einer Hügellandschaft. Alle schlafen tief und fest.

    Unser Ziel sind heute die Kaluts in der Lut hinter Shahdad. Die Kaluts sind durch Erosion entstandene Felsformationen in der Wüste. Also heisst es früh los und Gas geben. Wir schaffen es tatsächlich bis kurz vor Dunkelheit. Es ist so atemberaubend schön hier!

    Etwas übermütig fahre ich mich in einer hohen Dünenauffahrt fest. Claudia hat uns noch gewarnt, aber Simon und ich wollten nicht hören...

    Es wird ein gemütlicher Abend, Femke und Wiegert grillen ein Hühnchen. Das haben die vier vorne im Dorf geklaut. Kleiner Scherz am Rande, es wurde natürlich gekauft, noch ist die Reisekasse gefüllt.

    Was für ein Morgen, was für eine Aussicht, was für eine Ruhe! Heute ist Nikolaus, aber der hat es wohl nicht bis in die Kaluts geschafft, Claudia und Simons Schuhe sind leer geblieben. Nach einem entspannten Vormittag geht es durch die abgefahrenen Kaluts weiter in die Wüste.

    Wir wollen zu den hohen Dünen. An der Stelle wo es von der Hauptstraße weg auf eine Piste geht, schlagen wir hinter einer Hügelkette unser Nachtlager auf. Oscar und ich sind schon sehr ungeduldig endlich zu den Dünen zu fahren! Einmal werden wir noch wach, dann ist endlich Dünentach!!!

    Die Nacht war sehr stürmisch und ich wurde ganz schön hin und her gerüttelt. Auch am Morgen ist der olle Wind immer noch zu Gange, ziemlich unangenehm! Wir fahren 130 Kilometer die Piste durch endloses Nichts. Außer Staub ist nix zu sehen, kein Hügel, kein Baum, kein Strauch, nix, nur ein Sandsturm tobt, widerlich!

    Und dann sehen wir sie, die hohen Dünen! Wie Berge sehen sie von Weitem aus. Leider pfeift uns auch hier der Wind um unsere Stoßstangen. Aber der Anblick entschädigt für den Sand zwischen den Zähnen.Wir finden ein schönes Plätzchen an den hohen Dünen und hoffen, dass der Wind morgen nach lässt!

    Am nächsten Morgen hat sich der olle Wind etwas gelegt! Und dann heisst es Dünen fahren, juhu!!!

    Ich fahre voraus und lege die Spur für Oscar. Plötzlich fühlt es sich an, als ob ich in ein tiefes Loch einbreche. Claudia öffnet die Tür, ups da steht der Sand bis zur Kante. Endlich kommen meine Sandbleche zum Einsatz! Das allererste Mal seit ich sie habe! Und sie funktionieren super, ratz fatz bin ich wieder draußen und weiter geht der Wüstenspass...

    Die Landschaft ist der Wahnsinn und wird immer besser! Wir fahren weiter zum Eye of the Lut und dann plötzlich ein komisches Klackern, oh nee was ist das denn jetzt?! Kommt von hinten rechts. Also Reifen ab, Wiegert und Simon schauen sich das Ganze genauer an. Und siehe da, es ist ein kleines Sandkorn in der Bremse, dieses Mistding.

    Weiter geht es. Ich bleibe noch mal im soften Sand stecken, aber bin mit Sandblechen auch schnell wieder draußen. Oscar und ich haben unseren Spaß! Wir geniessen alle dieses wunderbare Naturschauspiel und finden den perfekten Nachtplatz.

    Pancakes, guter Kaffee, Hammer Umgebung, so kann der neue Tag starten. Simon, Wiegert und Jam haben sich das Frühstück mit einer Dünenwanderung verdient, Claudia mit Hula Hoop und Femke mit Kraftübungen.

    Wir geniessen die Aussicht und machen uns dann auf den Weg zum Snake Canyon. Durch Sand und abgefahrene Kaluts geht es zurück auf die Piste, die uns wieder raus führt. Ach war das ein tolles Erlebnis!

    Dank der Wüste Lut ist für Claudia der Iran auf ihrer Favoritenliste etwas nach oben gerutscht. Ohne die Schönheit dieser abgefahrenen Wüste hätte sie das Land nicht wirklich vom Hocker gehauen. Der Iran hat es aber auch nach Tadschikistan und Kirgistan echt schwer. Diese beiden Länder haben unsere Herzen tief berührt. Okay und man muss ehrlich sagen, vom Iran haben wir nicht viel gesehen. Aber eine Verlängerung der Visa kommen für Claudia und Simon nicht in Frage. Claudia möchte Weihnachten am Strand ohne Kopftuch verbringen und da scheidet der Iran ganz klar aus. Und außerdem wollen sie Simons Bruder Stefan in Dubai treffen, er ist ab 15. Dezember zum Arbeiten dort. Evtl. kommen wir auf dem Rückweg ja noch mal durch den Iran.

    Nach vielen Kilometer wieder durchs Nichts erreichen wir die Hauptstraße. Und dann geht es plötzlich ganz schnell. Eigentlich wollten wir noch einen letzten Abend zusammen verbringen, bevor Femke, Wiegert, Jam und Oscar Richtung Pakistan düsen. Aber laut Navi ist es für sie ab hier in die andere Richtung der kürzeste Weg zur Grenze. Oh nein, damit hat keiner gerechnet. Nach fast zwei Monaten, die wir immer wieder zusammen durch fünf Länder gereist sind, heisst es jetzt Abschied nehmen, also wirklich Abschied nehmen. Uns wird es allen sehr schwer ums Herz! Ich habe Tränchen im Augenwinkel, als ich meinem Kumpel Oscar Goodbye sage. Auch den anderen fällt es sichtlich schwer! Kein Jam mehr, der uns jeden Morgen begrüsst, keine gemeinsamen Offroad Abenteuer, keine gemeinsame Lagerfeuer, Abendessen, Pan Cakes, Kuchen und Kaffeepausen und lustigen Gespräche mehr. Wir werden euch so vermissen!

    Es war eine tolle Zeit mit euch! In unserem Herzen reist ihr mit uns weiter. Wir sind so froh, dass wir euch auf unserer Reise getroffen haben! Und wir freuen uns jetzt schon, wenn wir uns in der Heimat oder wo auch immer wiedersehen!

    Traurig vom Abschied düsen wir zurück zu den Kaluts bei Shahdad, hier wollen wir die Nacht verbringen, bevor wir uns morgen auf nach Bandar Abbas ans Meer machen. Von dort geht es mit der Fähre auf ins neue Abenteuer: erst nach Dubai und dann in den Oman. Kein Oscar hinter mir, das ist ein sehr komisches Gefühl. Claudia und Simon sind auch recht still, sie hatten sich sehr an Femke, Wiegert und Knuddel Jam gewöhnt. Vor lauter Traurigkeit übersehe ich ein tiefes Loch und knalle voll rein. Schei...sind das Schmerzen! Simon checkt mich sofort durch, scheint alles okay zu sein. Doch der Schein trügt!

    Wir übernachten in den Kaluts, drehen am nächsten Morgen noch eine Runde durch den Sand und dann bemerkt Simon, dass das Lenkrad völlig schief steht. Also noch mal alles untersuchen. Tja und da haben wir den Salat: ein gebrochenes Traggelenk! Zum Glück kann ich trotzdem fahren und Simon beschließt, es in Dubai zu tauschen (er hat natürlich Ersatz dabei).

    Zwei Tage fahren wir gemütlich bis Bandar Abbas, ich werde sehr geschont und meine Schmerzen halten sich im Rahmen.

    Am 12. Dezember erreichen wir das Meer und am 14. Dezember wollen wir die Fähre nehmen. Es wird Zeit für uns vom Iran Abschied zu nehmen...

    Von unserer Überfahrt nach Dubai, den unerwarteten Abenteuern in den Vereinigten Arabischen Emiraten (zum Beispiel mein fast Salto seitwärts die Düne runter) und von unserem Urlaubsland Oman erzähle ich euch das nächste Mal. Nur schon mal so viel: in den V.A.E. wollten wir fünf Tage bleiben, es wurden drei Wochen daraus...

    Euer ClauSi

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