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    • ClauSi

    Gruppencamping in Tafraoute, die Piste des Grauens und zwei kaputte Reifen

    Aktualisiert: 6. Feb 2019

    Es heißt Abschied nehmen vom Meer und zurück in die Berge. Für mich wird es echt Zeit, da sich mittlerweile eine Salzkruste an mir festsetzt. Simon hat auch genug vom beach life und es zieht ihn wieder ins Gebirge und Richtung Wüste. Claudia (unsere Wasserratte bis zum Zeh) wäre es in drei Monaten nicht zu viel am Meer.

    Wir fahren nach Tafraoute zu den "blauen Steinen". Der belgischen Künstler Jean Vérame hat im Jahr 1984 riesige, von der Erosion rundgeschliffene Granitblöcke mit leuchtend bunten Farben angemalt. Mittlerweile sind die Steine recht verblasst, obwohl sie immer wieder neu gestrichen wurden. Hier treffen wir uns mit Oli, Sabrina und Sam (ihren Hund). Die Drei haben wir vor drei Jahren auf der Abenteuer Allrad in Bad Kissingen kennengelernt. Sie sind seit 2017 Vollzeitreisende (www.wegfahrer.de) und Claudia & Simon freuen sich auf das Wiedersehen. Hier ist schon ein kleines Gruppencamp entstanden, neben dem Mercedes Iglhaut von Oli und Sabrina stehen noch fünf weitere Fahrzeuge rum (kennen sich alle). Ich, der VW T3 Syncro bin der Neue, wie immer der Kleinste, aber was mein Können betrifft, ganz vorne mit dabei (ohne angeben zu wollen).

    Die Umgebung mit den großen rot-braunen Granitblöcken und den bunten Steinen mittendrin ist zauberhaft, fast magisch, … - hier werden wir erst einmal bleiben.

    Am nächsten Morgen nach dem Frühstück (so gegen 12.30 Uhr) laufen Claudia und Simon durch die Gegend, treffen sich mit Vera und Chris (die Beiden aus den Niederlanden sind auch gerade in der Gegend) und verbringen einen chilligen Bouldertag zusammen.

    Im Camp reisen immer mehr Fahrzeuge an und am nächsten Tag (Sabrinas und Sibels Geburtstag) stehen wir hier mit elf Fahrzeugen. Es ist eine gemütliche Runde mit sehr interessanten und lustigen Geschichten. Langweile kehrt hier im Gruppencamp nicht ein - Ruhe auch nicht :-). Es gibt leckere Geburtstagskuchen und super Gulasch für alle. So fein haben Claudia und Simon schon lange nicht mehr geschlemmt.

    Die Stimmung bei den Beiden ist grandios und sie meistern ihren Reisealltag hervorragend.

    Einige fragen sich vielleicht wie so ein Reisealltag der Beiden aussieht. Hier ein kurzer Einblick:


    - es wird glücklich und zufrieden mit dem Sonnenaufgang aufgestanden (so gegen 10.00 Uhr, vorher stehen wir noch im Schatten)

    - Frühstücken (meistens stehen folgende Menüs zur Auswahl: Müsli mit Obstsalat, Omelette mit Avocado, Milchreis oder Pancakes)

    - Haushalt (Abspülen und Stube ausfegen - ist eher Claudias Aufgabe, die sie mit voller Hingabe täglich erledigt)

    - Lesezeit

    - falls wir nicht auf einem Camping stehen, Wanderung mit Spaten ins Gelände und ruhiges Plätzchen suchen

    - Gegend/ Stadt/ Dorf erkunden oder Sport in Form von Klettern, Boulder oder Surfen (betrifft nur Simon)

    - Einkaufen, wenn notwendig

    - Ausruhen oder die nächste Route planen

    - Abendessen (meistens stehen folgende Menüs zur Auswahl: Gemüsepfanne in verschiedenen Varianten, Nudeln, Suppe oder Brotzeit); wenn es Zivilisation in der Nähe gibt, gehen sie zum Essen

    - Lesen, Backgammon, Uno spielen (in Begleitung von Bier, Wein und ab und zu einem Gin) oder wenn sie nette Nachbarn haben, gemütlich noch zusammen sitzen

    - Fliegen im Bus erschlagen

    - glücklich und zufrieden einschlafen

    (und über den Tag immer wieder hier mit anderen Reisenden ein Schwätzchen halten, Simon teilweise stundenlang...)


    An Fahrtagen, sieht der Ablauf etwas anders aus:

    - Früh aufstehen (meistens geplant 08.00 Uhr, tatsächlich geschafft 09.00 Uhr)

    - Schnelles Frühstück

    - Alles zusammenpacken, Wassertanks auffüllen

    - Losfahren (hier komme ich zum Einsatz) und schöne Pisten fernab der Straßen suchen, Einsamkeit und Ausblick genießen

    - Ankommen, alles entstauben, entspannen

    - Kochen oder Essen gehen

    - Fliegen im Bus erschlagen

    - glücklich und zufrieden einschlafen

    In Tafraoute bleiben wir noch zwei weitere Tage, wir können uns einfach nicht losreißen. Macht ja nichts, die weitere Route muss eh erst geplant werden.

    Das nächste Ziel steht fest und es geht weiter Richtung Osten, wir wollen über zwei Etappen noch mal nach Zagora (hier haben wir Silvester verbracht). Unser heutiges Tagesziel Tata erreichen wir über eine lange wunderschöne Palmenallee und einer angenehmen Piste vorbei an einer Mine.

    3 Kilometer vor Tata finden wir einen ruhigen, nicht überfüllten Campingplatz unter Palmen.

    Am nächsten Tag steht Wäschewaschen auf dem Programm. Es gibt eine moderne, saubere Waschmaschine, ein Traum für Claudia. Ja auf so einer Reise lernen sie selbstverständliche Kleinigkeiten wieder zu schätzen: eine schöne Toilette mit Klobrille (die sauber ist), eine durchgehend heiße Dusche (nicht plötzlich nur noch eiskaltes Wasser, wenn man von oben bis unten eingeschäumt ist), einen richtigen Duschkopf, aus dem mehr als ein paar Tropfen kommen, einen funktionierenden Duschablauf, frisch gewaschene Wäsche aus der Waschmaschine...


    Am nächsten Morgen geht es früh los, wir schaffen es tatsächlich gegen 09.30 Uhr den Campingplatz zu verlassen. Wir haben heute eine große Strecke vor uns. Über drei Pisten wollen wir offroad bis nach Foum-Zguid (180 Kilometer und davon 110 Kilometer Piste). Der Tag beginnt traumhaft, die erste Etappe ist gut zu befahren, mit sehr schöner Landschaft. Die zweite Etappe ist schon etwas anspruchsvoller, teilweise ist die Piste durch Ouedüberquerungen (ausgetrocknetes Flussbett) unterbrochen. Aber für Simon und mich kein Problem, auch Claudia genießt die Strecke (noch), welche nur noch von Mofas und Eseln genutzt wird.

    Am frühen Nahmittag erreichen wir die dritte Etappe und nach ca. zwei Kilometer scheint es nicht mehr weiterzugehen. Wieder ein ausgetrocknetes Flussbett, die Piste ist weggespült, Simon findet eine Umgehungsmöglichkeit. Die Piste wird immer schlimmer, hier ist schon länger niemand mehr lang gefahren. Die Piste ist ausgewaschen, sehr viel Geröll und immer wieder müssen wir ausgetrocknete Flussbetten überqueren.

    Wir kommen nur langsam voran, für 6 Kilometer brauchen wir über eine Stunde und wir haben noch knapp 40 Kilometer Piste vor uns.

    Claudia wird es langsam mulmig zumute und sie bekommt Magenflattern. Die Piste windet sich zu einem Pass hoch und wird noch grauenvoller. Jetzt wird klar, diese Strecke wird von niemanden mehr genutzt. Es gibt tiefe Auswaschungen, große Steine, viel Geröll und teilweise ist immer wieder ein Stück der Piste am Abhang weggebrochen. Gut, dass ich so klein bin, mit einem breiteren Fahrzeug ist die Strecke schwierig machbar bis gar unmöglich. Umdrehen geht nicht mehr, Claudia ist kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Simon und ich müssen uns auf die Piste konzentrieren, Simon räumt immer wieder Steine weg, baut Steinrampen und nebenbei muss er auch noch Claudia beruhigen. Nach Claudias Wahrnehmung bin ich fast am Umkippen. Aber das bin ich nicht im Entferntesten! Ich komme diese Dreckspiste echt gut hoch, ohne mich groß anzustrengen, auch Simon hat keine Bedenken und weiß, es wird uns hier nix passieren. Wofür habe ich denn Allrad? Um in solchen Situationen die Beiden heil wieder rauszubringen.

    Simon und ich vertrauen uns voll und ganz, nur Claudias Wahrnehmung weicht immer mehr von der Realität ab und sie ist am Durchdrehen. Simon macht den Vorschlag, dass sie für heute nicht mehr weiterfahren und hier übernachten, damit sie sich beruhigen kann. Die Vorstellung, hier im Nirgendwo, auf der Piste des Grauens zu übernachten, versetzt Claudia noch mehr in Panik, also kämpfen wir uns weiter durch. Drei Kilometer weiter ist der Alptraum vorbei.

    Wir erreichen den Pass, hier ist eine Funkstation und auf der anderen Seite führt eine gute Piste runter (wir können es gar nicht glauben).

    Die Freude und Erleichterung hält nur kurz an, Claudia hört ein komisches Zischen und ich spüre den Schmerz. Ich habe mir meine Pfötchen an Steinen aufgeschnitten. Der rechte Hinterreifen hat ein Loch und verliert Luft. Der linke Vorderreifen ist bis zur Polyesterschicht aufgeschlitzt, scheint aber dicht zu sein. Wir kommen an einem Haus mit Arbeitern von der Funkstation vorbei. Sie schauen uns ungläubig an und fragen sich, wie man nur so bekloppt sein kann und die andere Seite vom Berg über die verfallene Piste hoch fährt. Das fragen wir uns übrigens auch. Sie bieten uns Hilfe an den Reifen zu wechseln. Simon beschließt, den Reifen in Foum Zguid zu wechseln oder zu flicken. Wir verlassen die Piste und fahren 123 Kilometer auf normaler Straße weiter. Dank Kompressor an Bord wird alle 40 Kilometer Luft in meinen Reifen gepumpt. Kurz vor 20.00 Uhr kommen wir völlig erledigt nach 10 Stunden Fahrt in Foum Zguid an. Claudia ist sehr erleichtert, Simon und ich auch.

    Der nächste Morgen, die Sonne lacht und Claudia lacht auch wieder! Meine beiden Reifen werden geflickt und wir können nach Zagora fahren.

    Wir düsen über eine ganz normale Straße nach Zagora, auf Offroad hat von uns heute keiner Lust. Wir fahren diesmal auf den Camping Sindibad mitten in der Stadt unter Palmen und treffen Anne und ihren Enkel Domink, die Beiden haben wir im Gruppencamp in Tafraoute kennengelernt. Die Freude ist groß, Claudia und Simon gönnen sich vier entspannte Tage in Zagora und Simon findet für Claudia eine wunderschöne Kette auf dem Souk.

    Sibil und Rolf (auch Teilnehmer aus dem Gruppencamp in Tafraoute) treffen nach zwei Tagen ein. Die große Wiedersehensfreude stinkt einem niederländischen Camper gewaltig. Er beschwert sich lautstark, es ist ihm alles zu laut (dabei ist er derjenige, der hier wie ein Bekloppter rumbrüllt), das Verhalten sei unmöglich und er parkt jetzt um. Danke für die unnötige Info, es hält ihn niemand auf...

    Für uns neigt sich unser Marokkoabenteuer langsam dem Ende zu und wir machen uns auf den Weg Richtung Norden (um den 10. Februar wollen wir wieder auf die Fähre nach Spanien).

    @Anne, Dominik, Sibil, Rolf und Christoph: Danke für die schönen und lustigen Tage mit euch! Genießt noch eure Zeit in Marokko!


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