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    • ClauSi

    Goodbye Russland! 3 Tage Kasachstan: Steppe, Kamele, Schlaglochpiste & die Pizzapolizei

    Aktualisiert: 15. Aug 2019

    Nach unserem Strandausflug nördlich hoch die Wolga, fahren wir am Abend wieder nach Astrachan. Von dort wollen wir morgen früh zur Grenze nach Kasachstan. Wir finden ein nettes Plätzchen direkt an einem kleinen Strand. Eigentlich darf ich hier nicht stehen, Autos sind verboten. Simon sieht zwei Polizisten und fragt, ob wir übernachten dürfen. Kein Problem! Der eine Polizist spricht ein kleines bisschen Englisch und mit Hilfe von Google Translator quatscht er eine Stunde mit Simon. Er will alles über unsere Reise wissen und wie die politische Situation in Deutschland ist. Er bedankt sich immer wieder für das Gespräch und freut sich sehr, dass wir Russland besuchen.

    Wir kommen tatsächlich am nächsten Tag los. Die Grenze ist ca. 1,5 Stunden entfernt. Die geplante Abfahrtszeit schaffen wir nicht ganz. Statt 9.30 Uhr kommen wir gegen 17.00 Uhr aus Astrachan weg. Wir treffen uns mit Jasmin und Markus und fahren gemeinsam über die Ponton Brücke. Sie biegen danach links ab Richtung Wolgograd, wir fahren geradeaus weiter. Gegen 19.00 Uhr sind wir kurz vor der Grenze. Wir beschließen morgen früh nach Kasachstan zu fahren und übernachten am Rand einer Weide, versteckt hinter Bäumen zwischen Kühen, Bullen und kleinen Kälbchen. Die Nacht ist ruhig, wir schlafen tief und fest.

    Heute heißt es nach sieben Tagen auf Wiedersehen Russland! Was uns wirklich überrascht hat: die sauberen schönen Städte, die wunderschönen Parks in denen Jazzmusik aus Lautsprechern gespielt wird, die freundlichen Menschen, die super Straßen und die sehr netten Straßenpolizisten. Hier unsere kleine Runde durch Russland:

    Auf nach Kasachstan! Auf der russischen Seite sind wir ratz fatz durch. Auf kasachischer Seite müssen wir ca. 45 Minuten warten, es ist einiges los. Wir haben es nicht eilig. Dann bin ich mit Check-up dran. Der Polizist bittet Simon vorne die Motorhaube zu öffnen. Simon kann sich gerade so das Lachen verkneifen und erklärt freundlich, dass es vorne keine Motorhaube gibt, weil der Motor hinten ist. Dann will er ins Innere schauen. Claudia öffnet die Schiebetür und ein freudiges Jauchzen entfährt dem Polizisten, er schaut sich lächelnd um. Wir dürfen weiterfahren.

    Willkommen in Kasachstan! Die Straße ist beschissen, das Navi weiß seit der Grenze nicht mehr, ob es den Bildschirm horizontal oder vertikal darstellen muss. Der Asphalt ist durch die LKWs teilweise bis zu einem halben Meter hoch aufgeschoben. Mein Luftdruck wurde von 3,5 auf 2,3 bar abgesenkt, damit ich halbwegs geschmeidig über die Fahrbahn flitzen kann. Ich springe über die bisher schlimmste Schlaglochpiste. Wenn die Löcher zu groß sind, gibt es manchmal Ausweichschotterpisten neben der Straße. Ob diese Fahrerei Spaß macht? Nee, auf keinen Fall! Trotz alledem kommen wir ganz gut voran. Wir fahren bis ans Kaspische Meer.

    Hier bleiben wir für die Nacht, keinen Meter wollen wir heute mehr fahren. Claudia gefällt es am Strand. Mir auch, ich muss mich erst mal ausruhen. Simon sieht sich von Moskitoschwärmen umgeben sobald die Sonne untergeht und ist etwas angespannt. Er kommt mit zwei Einheimischen ins Gespräch. Eine seiner ersten Fragen: gibt es hier Moskitos? Sie verneinen und sagen, es ist zu viel Wind für die Viecher. Simon entspannt sich. Trotzdem darf Claudia nach Sonnenuntergang (der ist zum Glück erst 22.00 Uhr) den Bus nicht mehr verlassen, an allen offenen Fenstern sind die Fliegengitter montiert und nur ein leichtes Rotlicht ist im Bus erlaubt. Helles Licht zieht Mücken an und nicht, dass die sich durchs Fliegengitter zwängen...

    Ich erwache relativ früh, um mich rum Kamele. Ich wusste nicht, dass es in Kasachstan Kamele gibt! Claudia und Simon springen kurz vor neun aus dem Bettchen und sind ganz entzückt von den Tierchen.

    Wir haben im Morgengrauen neue Nachbarn bekommen: Nienke und Peter aus den Niederlanden. Sie kommen aus der Richtung in die wir fahren. Eine Familie aus Astana ist auch morgens am Strand. Der Mann hat Geburtstag, also müssen alle zum Frühstück mit Vodka auf seinen Geburtstag anstoßen.

    Wir fahren am frühen Nachmittag weiter nach Atyrau und nach einem kurzen Zwischenstopp weitere 80 Kilometer durch die Steppe. Überall Kamele, Wildpferde, Kühe und Schafe. An einem Salzsee finden wir einen schönen Übernachtungsplatz.

    8.30 Uhr steht Claudia mit ihrem Hula Hoop vor der Tür. Ich kann es gar nicht fassen! Sie macht tatsächlich Morgensport, das zweite Mal auf der Reise. Ab jetzt will sie das öfter machen...

    Und wieder ab auf die Straße. Seit Atyrau ist die Straße ein Traum! Kein Loch, super zu fahren. Zur Mittagspause wollen Claudia und Simon in der nächsten Stadt Pizza essen. Wir kurven in der Stadt rum und schon sehe ich sie. Die Polizei folgt mir. Ich schleiche mit 30 km/h durch die Straße. Und dann geht auch schon das Blaulicht an und sie winken mich raus. Na super! Zu schnell gefahren bin ich jedenfalls nicht, eher zu langsam... Ein Polizist kommt zu uns. Simon ist auf alles vorbereitet, Kasachstan ist für seine korrupten Polizisten bekannt. Aber nicht mit uns! Er schaut ins Tablet auf die Karte, grüßt den Polizisten und fragt ihn höflich, wo die Pizzeria ist. Der Polizist bittet Simon den Ausweis zu geben und mitzukommen. Simon muss sich hinten ins Polizeiauto setzen. Er erzählt den beiden Polizisten erst einmal auf deutsch, dass wir gerne Pizza essen würden und eine Pizzeria suchen. Sie fragen immer wieder, ob er russisch spricht. Simon fragt immer wieder, ob sie deutsch sprechen. Er steigt aus, holt das Tablet und bittet sie, ihm doch die Pizzeria auf der Karte zu zeigen. Ins Polizeiauto steigt er nicht mehr, er erklärt mit Gesten, er hat es im Rücken und muss stehen. Ungeduldig fragt er wieder nach der Pizzeria. Irgendwann wird einer der Polizisten ebenfalls ungeduldig und schreit "Stop, no pizza, no food for tourists" und tippt irgendwas von einem Versicherungsreport, den er sehen will in seinen Google Translator. Simon möchte aber erst mal wissen, warum es kein Essen für Touristen gibt und tippt in den Google Translator die Frage, ob die Pest ausgebrochen ist, weil er nix essen darf und ob er sich jetzt Sorgen machen muss. Die Polizisten, völlig verwirrt, fragen wieder nach dem Versicherungsreport. Leider ist meine Zusatzversicherung für Asien inklusive Kasachstan nur digital auf Simons gecrashtem Handy. Mist, da haben wir wohl vergessen das Dokument mal auszudrucken. Egal Simon holt die grüne Versicherungskarte, die in Kasachstan natürlich nicht gilt. Sie können damit nix anfangen. Er tippt in den Google Translator, dass dies eine anerkannte Versicherung der Bundesrepublik Deutschland ist, ein Abkommen mit Kasachstan besteht und es sich um ein sehr wichtiges Dokument handelt. Er geht vom Auto weg und gibt ihnen Zeit zum Nachdenken. Ende vom Lied: sie bitten Simon ihnen zu folgen, sie möchten uns gerne zur Pizzeria fahren. Na geht doch... Vielen lieben Dank liebe Polizei :-).

    Gestärkt machen wir uns auf den Weg zur Grenze nach Usbekistan. Die Straße ist gut, 19.45 Uhr erreichen wir die Grenze.

    Drei Tage sind wir durch die Steppe von Kasachstan gedüst:

    An der Grenze erwartet uns eine ewig lange Schlange. Ich fahre da mal schnurstracks vorbei und stelle mich direkt vors Tor. Simon steigt aus und fragt höflich wo er sich anstellen soll. Und schwups geht das Tor auf und wir dürfen einfach durchfahren. Als Tourist hat man hier Sonderstatus. Auch bei der Passkontrolle dürfen Claudia und Simon einfach vor. Etwas peinlich: als der Beamte Claudia ihren Pass zurück geben möchte, kommt ein Polizeihund angerannt, schnuppert erst wild an ihrer Tasche und will sich dann ihren Pass schnappen. Claudia fragt sich, ob sie etwas verbotenes in ihrer Tasche hat und wird leicht nervös. Die Grenzbeamten lachen, alles gut. Für meinen Check-up müssen wir auch nicht in der Schlange stehen. Drei nette Polizisten und ein Hund kommen direkt zu mir, checken mich durch und halten Small Talk mit Simon und Claudia. In nicht mal 30 Minuten sind wir auf der kasachischen Seite durch und stehen in der Schlange für die usbekische Grenzkontrolle. Leider kommen wir an den Autos nicht vorbei. Das heißt warten und geduldig sein. Ihr wisst ja, Geduld ist nicht Claudias Stärke, es wird langsam Nacht...

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