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Georgien: hohe Berge, bunte summende Blumenwiesen, Sowjetcharme und Kühe, die auf den Bus warten

Aktualisiert: 4. Juli 2019

Am 17. Juni verlassen wir die Türkei über den kleinen Grenzübergang am Karzachi See. Ich bin der einzige PKW, sonst sind hier nur ein paar LKWs. Claudia muss aussteigen und die Grenze zu Fuss überqueren. Sie läuft einsam die Gänge entlang, nirgendwo ist jemand zu sehen. Nach einer gefühlten Ewigkeit trifft sie auf die georgischen Grenzbeamten, der Pass wird kontrolliert und sie muss mehrere Fragen beantworten: woher sie kommt, wohin sie in Georgien will, warum sie nach Georgien will und ob sie verbotene Medikamente dabei hat.


Simon und ich fahren über die Grenze. Simon muss alle Türen, ein paar Schränke und eine der drei Dachboxen öffnen. Der Grenzbeamte schaut flüchtig rein. Auf die Frage nach Medikamenten, zeigt Simon unsere Erste Hilfe Tasche und den Verbandskasten, mehr wollen sie nicht sehen und wir dürfen über die Grenze. Wir brauchen nicht mal 30 Minuten für alles. Claudia wartet schon auf uns. Simon schaut kurz in meinen Motor (reine Routinekontrolle), da kommt gleich ein Grenzbeamter und fragt ob er helfen kann.

Wir sind in Georgien! Das Bild ändert sich schlagartig, man spürt sofort russischen Flair, alles ist sehr ursprünglich und man hat das Gefühl, die Zeit ist hier vor vielen Jahren stehen geblieben. Die Landschaft ist wunderschön. Wir holpern (mit den guten Straßen wie in der Türkei ist es vorbei) nach Achalkalaki auf der Suche nach einem Geldautomaten und einer georgischen SIM Karte. Die Stadt sieht aus wie eine Ansammlung von Baracken. Geld abheben und eine SIM Karte organisieren, alles kein Problem. Während der Wartezeit im Geschäft, bis die SIM Karte freigeschaltet ist, werden Claudia und Simon mit Kaffee, georgischer Cola (schmeckt wie Jim Beam nur das kein Alkohol drin ist - angeblich), Eis, Keksen und Chips verpflegt. Die Freischaltung dauert 1,5 Stunden...


Es ist mittlerweile dunkel und regnet. Ich springe über Schlaglöcher Richtung Vardzia, die Straße wird nach ein paar Kilometer zum Glück besser. Wir finden einen Übernachtungsplatz auf einem Parkplatz unterhalb einer Burg. Ich stelle mich neben eine alte Buchanka und zwei Ural Motorräder, nette Gesellschaft.

Claudia und Simon springen in die Bar gegenüber und lernen die Besitzer der drei Gefährte neben mir kennen. Meika und Christoph aus Deutschland haben sich die Buchanka in Kasachstan gekauft und sind jetzt auf dem Heimweg zusammen mit vier Franzosen auf den zwei Motorrädern (sie haben sich auf dem Schiff von Kasachstan nach Aserbaidschan kennengelernt). Lustige Runde, lustiger Abend, der Wirt freut sich und teilt seinen 5 Liter Kanister Chacha (selbst gebrannter hochprozentiger Schnaps) mit seinen Gästen. Claudia lässt das mit dem Schnaps (sie muss beim ersten Schluck schon würgen) und bleibt beim Wein, der nach Essig schmeckt.


Am nächsten Morgen gehen Claudia und Simon gemütlich frühstücken, da biegen Aaron und Sputnik um die Ecke. Sie sind gestern Abend auch noch über die Grenze gefahren und haben in der Nähe übernachtet. Nach einem gemeinsamen Frühstück fahren wir nach Vardzia zur Höhlenstadt. Aaron kommt von der Höhlenstadt und fährt in die andere Richtung weiter.

Wir treffen uns heute mit Christian und Shirin. Christian war in Montenegro bei Kajaktruppe dabei. Die Beiden machen 2,5 Wochen Urlaub in Georgien und düsen mit einem Mietwagen durch die Gegend. Unser Treffpunkt ist in Chaschuri und von dort fahren wir hoch zum Shaori See. Beim Fahrstil der Georgien könnte man meinen, sie fahren nach dem Motto: fahre als ob es kein Morgen gibt. Simon und ich sind hoch konzentriert. Wir müssen auf den Gegenverkehr achten, auf den Verkehr hinter uns, auf die riesen Schlaglöcher, auf Bodenwellen, auf Kühe die plötzlich in einer Kurve Mittagsschlaf halten, auf Pferde und Schweine, die einen Ausflug machen.


Auf dem Weg zum See fahren wir durch eine wirklich trostlose Stadt. Simon gefällt die Stadt (hat für ihn einen besonderen Charme) und er entdeckt auch noch deutsches Bier.

Wir finden ein nettes Plätzchen direkt am See. Christian und Shirin haben mir was mitgebracht: kleine Ersatzteile und meine neue Versicherungskarte. Vielen lieben Dank!


Am nächsten Morgen hellt es wieder auf und weil es am See gar so schön ist, bleiben wir einfach noch einen Tag. Einen Tag nix tun, das freut Shirin und Claudia. Mich auch, ein Tag mal nicht fahren, tut mir auch gut.

Ausgeruht und ausgeschlafen tingeln wir am nächsten Mittag gemütlich weiter.

Ab Nachmittag zeigt sich das Wetter wieder von der miesen Seite, es regnet ununterbrochen. In Oni suchen sie Unterschlupf in einem kleinen Guesthouse. Bei Kaffee, Tee, Schnaps und Wein wird das Wetter einfach ausgesessen.

Es gibt leckeres Essen, eine Führung durch die Schnapsbrennerei und dem Weinlager im Garten. Am Abend schlagen wir das Nachtlager am Fluss in einem Tal bei Oni auf. Es gibt eine überdachte Picknickecke, unter dem Dach können Shirin und Christian ihr Zelt aufstellen und alle sitzen bei Wein und Bier im trockenen. Aaron und Sputnik kommen auch wieder dazu.


Am nächsten Morgen lacht die Sonne wieder! Christian und Shirin machen sich auf Richtung Mestia hoch in die Berge über die asphaltierte Straße. Wir wollen den kürzeren Weg (größtenteils Schotterpiste) über Ushguli nach Mestia nehmen. Wir bummeln gemütlich mit Stopp an einem kleinen See durch die wunderschöne Landschaft bis kurz vor Chikhareshi. Überall Kühe, selbst in dunklen Tunneln latschen sie rum. Langsam nerven mich die Viecher. Die Straße lässt sich gut fahren und ist noch asphaltiert, die Schotter- bzw. Schlammpiste nehme ich morgen in Angriff. Am Abend treffen wir Aaron und Sputnik, sie sind schon mal vorgefahren

Kurz nach 8 Uhr machen wir uns auf den Weg. Die Piste ist schlammig und holperig. Innerhalb kurzer Zeit sehe ich aus wie sau. Gerade als ich wieder aus einem Schlammloch springe, stehen zwei Fahrradfahrer vor mir! Na immerhin mal keine Kühe. Nach einem kurzen Plausch mit den beiden Niederländern (im Pamir Gebirge in Tadschikistan werden wir sie evtl. wieder treffen) holpern wir weiter die Piste entlang, es zieht sich ewig. Irgendwann geht es endlich den Pass hoch. Wir sehen Gletscher und fahren an herrlichen Blumenwiesen vorbei, alles ist bunt und summt. Und natürlich stehen, liegen oder sitzen überall Kühe rum.

Nach dem Pass plumpst Sputnik in ein Schlammloch und bleibt stecken. Junge, du musst doch schauen wo du lang fährst. Ich entscheide mich ein paar Meter weiter rechts durchzufahren. Simon hat die Strecke für mich ausgelotet und ist halb im Schlamm versunken. Ich nehme Anlauf und gleite wie eine Elfe durch den Schlamm.

Am frühen Nachmittag erreichen wir schlamm- und kuhkackeverschmiert Ushguli. Ushguli liegt auf 2200 Meter Höhe in Ober-Swanetien und ist das ganze Jahr über bewohnt (im Winter allerdings abgeschnitten von der Außenwelt). Das Dorf ist bekannt für seine Wehrtürme und der Ortsteil Tschaschaschi ist seit 1996 Teil des UNESCO-Welterbes, in der Sowjetunion war er bereits seit 1971 als Uschguli-Tschaschaschi-Museum geschützt. Alles ist sehr ursprünglich und die Straßen und Wege sind eine Mischung aus Schlamm, Kuh-, Pferde- und Schweinekacke. Sehr idyllisch, Claudia gefällt es.

Wir übernachten auf einer Wiese mit Blick auf die Berge. Eine Hundegang liegt um mich rum, die wurde von Simon mit Leckerlies verpflegt. Zum Dank beschützen sie mich und scheuchen jede Kuh, die mir zu nahe kommt über die Wiese (ich wusste gar nicht, dass Kühe rennen können). Ein Wildschwein, dass mich neugierig beäugt, hat auch nichts zu lachen und rennt laut quickend davon.

Die Nacht ist friedlich. Als Simon nachts mal raus muss, leuchten ihn 20 Paar Augen an. Alles Kühe die mit ausreichend Sicherheitsabstand rumliegen.


Eine Wanderung ins Tal, ein kurzer Sprung in den eiskalten Fluss (Simon) und wir holpern weiter Richtung Mestia, eine Kleinstadt im nordwestlichen Georgien.

Mestia liegt auf einer Höhe von etwa 1500 m im Großen Kaukasus und ist der Hauptort der Region Swanetien. Uns ist es hier zu touristisch, da hat Ushguli mehr Charme. Christian hat uns einen ungefähren Standort hinter Mestia, in einem kleinen Tal geschickt, dort sind wir zum Grillen verabredet. Wir drehen mehrere Runden durch Wald und Gebüsch bis wir sie finden. Holz sammeln, Feuer machen, grillen, lecker...Es wird ein schöner Abschiedsabend, morgen trennen sich unsere Wege.

Time to say Goodbye: Shirin und Christian fliegen morgen wieder heim, Sputnik und Aaron fahren Richtung Meer. Schön war es mit euch!! Und was machen wir? Erstmal frühstücken und Landkarte studieren. Der grobe Plan: noch bissel den Westen von Georgien erkunden, dann nach Armenien, danach zurück nach Georgien und den Osten des Landes erkunden. Heute fahren wir bis Ureki ans Schwarze Meer. Ich flitze an reißenden Flüssen vorbei, durch niedliche Dörfer mit hübschen Häusern und großen Gärten voll mit Gemüse.

Überall sitzen die Leute draußen auf der Straße und unterhalten sich. Die reden richtig miteinander, keiner hat ein Handy in der Hand. Und wieder überall Kühe. Die stehen nicht mal von der Straße auf, wenn ich an gedüst komme, schauen nur blöd. Wir kommen am Abend auf einem kleinen Campingplatz hinter Ureki direkt am Strand an. Und siehe da, wer steht schon da? Nee keine Kuh! Aaron und Sputnik. Unsere letzte gemeinsame Nacht, morgen trennen sich unsere Wege erst einmal.

Wäsche waschen, im schwarzen Meer baden, Reiseführer lesen. Morgen früh wollen wir nach Batumi. Da wir über den Goderdzi Pass Richtung Armenien fahren, kommen wir sowie so an Batumi vorbei. Es ist heiß, schwül und eine Luftfeuchtigkeit wie in Thailand. Ich stehe in der prallen Sonne und darf Claudia und Simon zuschauen wie sie im Meer planschen. Na vielen Dank auch!


Spontan wird beschlossen doch noch am Abend nach Batumi zu fahren. Am Abend soll die Atmosphäre mit all den Lichtern besonderes toll und die Hitze erträglicher sein. 18.00 Uhr sind wir startklar, 19.00 Uhr stehen wir an der Strandpromenade in Batumi. Batumi ist echt abgefahren, man nennt es auch das russische Las Vegas. Glitzer, Prunk, Wolkenkratzer neben schönen alten Sowjetbauten bzw. Baracken. Uns gefällt es und wir können direkt an der Strandpromenade auf dem riesen Parkplatz übernachten. Claudia und Simon schlendern die Promenade entlang, laufen in die City, gehen essen und lassen die Stadt auf sich wirken. Es ist immer noch so warm und Claudia könnte sich in den Hintern beißen, weil sie in Jeans und Bluse losgerannt ist (könnte ja frisch werden) anstatt wie alle anderen Frauen im luftigen Sommerkleid.

Auch nachts kühlt es nicht runter. Obwohl alle Ventilatoren auf Hochtour laufen, wälzen sich Claudia und Simon schlaflos hin und her.


Früh morgens joggt Simon an der Strandpromenade entlang und verzerrt sich den Rücken. Tja er ist halt auch nicht mehr der Jüngste. Gegen 10.00 Uhr machen wir uns auf den Weg raus aus der Stadt, zurück in die Natur und fahren Richtung Goderdzi Pass. Wir halten an einer alten Brücke und wie soll es auch anders sein: zwei Kühe posieren für uns.

Es geht weiter bis Khulo. Mitten auf dem Marktplatz bekomme ich einen Anfall und hupe wild los. Warum? Weil es Spaß macht! Simon muss die Sicherung ziehen, weil ich mit meinem Hupkonzert gar nicht mehr aufhöre. Claudia und Simon schämen sich ein bisschen. Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, warum ich wie bekloppt los hupe.


Wir fahren weiter und wollen an der nächsten schönen alten Brücke anhalten. Die Brücke finden wir nicht, dafür einen schönen Bach an dem Claudia und Simon endlich frühstücken möchten. Sie packen alles zusammen und laufen zum Wasser runter. 5 Minuten später sind sie wieder da. Alles voller Ameisen, die sie angegriffen haben... Panik, kein Schlüssel! Simon ist sich sicher, dass Claudia ihn hat. Claudia weiß, dass sie ihn definitiv nicht hat. Oh nee, denke ich mir nur, bitte nicht meine Türen aufbrechen oder Fenster einschlagen. Zum Glück taucht der Schlüssel auf. Simon hat ihn in seinem Turnschuh durch die Gegend getragen. Gegessen wird im Bus.


Wir holpern weiter Richtung Pass, die Straße ist mittlerweile nur noch eine Schotter-/ Lochpiste, aber für mich kein Problem.

Wir finden eine schöne Wiese für die Nacht. Es wird lecker gekocht: Süßkartoffeln mit Gemüse angebraten und dann schön Eier drüber. Leider ist sind die Eier schlecht, liegen aber schon über dem Gemüse. Super, das war's mit dem feinen Essen, es wird alles weggekippt. Irgendwie läuft es heute nicht so. Morgen ist ein neuer Tag, es kann nur besser werden...


Und das wird es auch! Die Sonne weckt uns, es gibt ein ausgiebiges Frühstück und wir genießen die Aussicht.

Am frühen Nachmittag machen wir uns wieder auf den Weg, holpern über den Pass durch wunderschöne Landschaft. Kurz nach dem Pass sitzen junge Kühe in der Bushaltestelle und warten auf den nächsten Bus ins Tal, zu faul zum Latschen die Viecher.

Wir fahren bis Achalkalaki, hier hatten wir die SIM Karte gekauft. Die geht nicht mehr und Simon will Ersatz dafür. Nach einigem Hin und Her und ein paar Missverständnissen bekommen wir eine neue Karte und düsen weiter Richtung Parawani See. Es gibt eine asphaltierte Straße, die etwas länger ist und eine unbefestigte kurze Strecke. Dreimal dürft ihr raten, welche Strecke Simon und ich wählen... Claudia ist über die Rumpelstrecke nicht begeistert, zumal es bald dunkel wird. Aber es lohnt sich!!! Wir erreichen 5 Kilometer vor dem See eine wunderschöne Hochebene. So muss es in der Mongolei aussehen.

Die Nacht war die Ruhigste, die wir bisher hatten. Keine Geräusche. Absolute Stille. Herrlich! Am Morgen kommen uns Schafe besuchen und ein netter Schäfer, mit dem sich Claudia und Simon dank unseres Sprachbilderbuch ein wenig unterhalten können.

Am frühen Nachmittag ziehen Wolken auf und es fängt an zu regnen. Wir machen uns auf zum See, folgen Spuren über die Hochebene, landen vor einer Jurte und werden direkt auf Tee, Melone, Brot und Aufstrich eingeladen. Und wieder hilft das Sprachbilderbuch weiter. Die Jurte ist sehr gemütlich und alles blitze blank.

Wir sollen Übernacht bleiben, doch wir wollen heute noch über die Grenze nach Armenien...


Über die bisher schlimmste Straße hüpfe ich zur Grenze bei Ninozminda. Den Schlaglöchern auszuweichen ist meistens zwecklos, weil überall Löcher sind. Es zieht ein Unwetter auf und ich schwimme im Schlamm (gut, dass Simon mich gestern gewaschen hat). An der Grenze nach Armenien geht alles flott. Claudia muss diesmal nicht aussteigen und innerhalb von 30 Minuten sind wir wieder durch.


Am 28.06. reisen wir in Armenien ein und lassen es uns seitdem auf dem Camping 3 Gs bei Goght (32 Kilometer östlich von Yerewan) gut gehen. Hier machen wir nämlich gerade Urlaub vom Reisen :-)...

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