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Busparties, Matsch & Schnee - Goodbye Kirgistan & Welcome back to Kasachstan

Aktualisiert: 2. Dez 2019

Frisch erholt fahren wir nach unserem Kurzurlaub am Toktogul Reservoir Richtung Peak Lenin zurück an die tadschikische Grenze. Der Walnussbaumwald bei Arslanbob liegt fast auf dem Weg, also machen wir einen Schlenker dorthin. Weil in der Gegend Wildcampen verboten ist, quartieren wir uns im Garten vom Guesthouse Friendship ein. Claudia und Simon sitzen am Abend gemütlich mit Backpackern aus den Niederlanden, Marokko, England und Neuseeland zusammen. Ich stehe draußen alleine rum, nicht mal ein Fahrrad leistet mir Gesellschaft, nur gackernde und kackende Gänse flitzen an mir vorbei.

Am nächsten Tag gibt es vor der Weiterfahrt ein kleines Aktivprogramm. Die Beide ziehen ihre Wanderschuhe an, laufen zum Wasserfall und zum Viewpoint mit Blick übers Tal. Den Walnussbaumwald finden sie nicht. Egal, es geht weiter nach Osh.

Claudia und Simon freuen sich auf die Stadt. Ich nicht, ich mag es einfach nicht in Städten rumzustehen. Wir stellen uns in den Hof vom Tes Guesthouse. Meine Nachbarn: ein alter VW LT aus der Berliner Ecke (den habe ich schon in Karakol und in Arslanbob gesehen) und ein Toyota HZJ 78 aus den Niederlanden.

Der VW LT gehört Rebekka und Sebastian mit ihren drei Kids aus Schöneiche, das ist gleich bei Claudias Eltern um die Ecke. Der Toyota gehört zu Femke und Wiegert aus Amsterdam und ihrem Hund Jam. Mit Oscar ihrem Toyota bin ich sofort auf einer Wellenlänge. Er ist fast die selbe Strecke wie ich bis Armenien gefahren, nur zeitversetzt.

Die gemeinsame Leidenschaft für guten Cappuccino und leckeren Kuchen schweißt zusammen und Claudia und Simon führen Femke und Wiegert in ihr Lieblings Café, das Café Prio aus. Ich glaube, dieses Café ist auch der Grund, warum wir wieder in Osh gelandet sind. Ich habe genug Gesprächsstoff mit Oscar und so wird das Rumstehen nicht langweilig.

Nach einer ausgiebigen Kaffeepause fahren Simon und Claudia zum Autobasar. Simon traut seinem Augen nicht: hier gibt es alles! Also wirklich alles! Voller Freude springt er von einem Stand zum nächsten. Für Claudia gibt es nix, nicht mal eine hübsche Lichterkette, ihre Begeisterung hält sich in Grenzen. Okay es gibt fast alles, neue Scheinwerfer für mich kann Simon nicht auftreiben. Meine sind ja geklebt, weil der blöde LKW in Russland meine Windschutzscheibe und meine Scheinwerfer mit einem Steinschlag kaputt gemacht hat.

Am Abend geht es zum Italiener, der Rotwein fließt, die Stimmung steigt. Weil Femke und Wiegert auch zum Peak Lenin wollen, steht fest, wir fahren morgen gemeinsam hin. Und Schwups habe ich wieder einen neuen Reisegefährten, leider wieder keine Reisegefährtin. So eine Toyota Biene an meiner Seite das wäre was. Aber Oscar ist ein super Typ und wir werden sicher eine Menge Spaß haben. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir nicht, dass wir für längere Zeit gemeinsam reisen werden.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, wir fangen natürlich keinen. Nach einem gemütlichen Frühstück wechselt Simon mal wieder eine Manschette bei mir, diesmal die Achsmanschette hinten links. Am frühen Nachmittag sind wir startklar. Oscar and the gang sind ebenfalls die gemütlichen Reiser, da passt unser Rhythmus gut zusammen. Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit kommen wir in Sary Mogul an und finden in den Hügeln auf knapp 3200m den perfekten Platz mit Hammeraussicht auf den Peak Lenin mit seinen 7134m.

Es gibt Spaghetti Bolognese und weil es schnell kalt wird, sobald die Sonne weg ist, sitzen wir alle bei mir. Es ist genug Platz und meine bunten LED Lichter und die Lichterkette sorgen fürs Ambiente.

Sonne, guter Kaffee, gutes Frühstück, toller Ausblick, tolle Gesellschaft, was braucht man mehr?

Wir fahren bis kurz vor das Basis Camp vom Peak Lenin. Oscar und ich bleiben hier stehen, der Rest geht wandern. 4,5 Stunden später sind sie wieder zurück und froh, dass sie diese herrliche Wanderung gemacht haben.

Am Abend gibt es wieder eine gemütliche Runde bei mir. Oscar ist eine echt coole Karre, aber platzmässig kann er bei mir nicht mithalten. Okay dafür ziehe ich offroadmässig den Kürzeren, aber nur ein bisschen.

Die Fahrt zum Peak Lenin hat sich definitiv gelohnt und Claudia und Simon sind glücklich, dass wir noch mal herkommen sind. Die Gegend ist einfach beeindruckend und sie überlegen kurz noch mal über den Pamir zufahren. Aber die Aussicht im Schnee zu landen und Nachttemperaturen weit unter minus 10 Grad zu haben, hält sie davon ab. Für mich ist das auch kein schöner Gedanke da oben einzufrieren. Sie bleiben zum Glück bei ihrem Plan, im Nordosten von Kirgistan über die Grenze am Issykul See nach Kasachstan zu fahren. Die Grenze dort schließt am 31. Oktober und öffnet im Frühling wieder. Also haben wir noch knapp zwei Wochen Zeit dorthin zu tingeln. Wir machen uns langsam auf den Weg zurück nach Osh, das Lieblingscafe und der Italiener rufen.

Der Italiener muss bis morgen warten, Claudia und Simon kochen für alle Lasagne in ihrem Omnia Backofen. Die schmeckt genau so gut wie beim Italiener :-) und guten Wein gibt es auch dazu.

Auf nach Osh, auf ins Café Prio, auf zum Italiener. Oscar and the Gang wollen über den Kalderman Pass und Songköl See zum Issykul See. Da wir die Strecke schon vor ein paar Wochen gefahren sind, wollen wir über die Berge ab Torkent am Toktogul Reservoir über Tokul und Ming Kush zum See. In den Bergen liegt bereits Schnee und wir sind gespannt, ob die Pisten zu fahren sind. In Kochkor treffen wir uns evtl. wieder, dort laufen beide Strecken zusammen.

Oscar schafft es vor mir aus Osh loszukommen, aber ich bin es ja gewohnt meistens der Bummelletzte zu sein. Wir fahren Richtung Jalalabad, die Strecke fahre ich jetzt zum dritten Mal und die ist echt nervig. Wegen dem Verkehr und den Baustellen komme ich nur langsam voran und zu sehen gibt es auf dem Streckenabschnitt nix. Es wird bald dunkel und wir suchen uns einen Nachtplatz an einem See. Laut Google Maps ist der See groß, in real life ist er eine Pfütze, alles ausgetrocknet. Der Weg zum nicht vorhanden Ufer ist eine olle Staubpiste, ich seh mal wieder aus wie Sau (wurde gestern in Osh frisch geputzt). Ich bin ein bisschen angefressen, aber der Platz ist schön.

Morgen Stund` hat Gold im Mund, Claudia und Simon mögen kein Gold. Gegen Mittag fahren wir weiter und machen einen Abstecher zum abgelegenen Kara Suu See. Die Piste führt durch ein Tal und endet an dem See, der auf 2000m Höhe liegt. Für Simon und mich ist es eine schöne Offroadpiste, für Claudia das reinste Gerumpel. Der See liegt in einem Kessel und als wir ankommen wird es bereits dunkel. Claudia findet es etwas unheimlich, Simon und mir gefällt es. Morgen im Hellen wird es Claudia bestimmt auch gefallen. Es ist echt kalt hier oben, gut dass ich eine Standheizung habe, blöd dass sie genau jetzt das Spinnen anfängt. Und damit es nicht langweilig wird, zickt die Wasserpumpe ebenfalls rum. Das ist gerade nicht hilfreich um Claudias Laune zu bessern, die es immer noch spuki findet. Zum Glück kann Simon alles schnell wieder in Gang bringen und der Abend ist gerettet.

Am nächsten Morgen genießen wir die Ruhe am See, fahren das wunderschöne Tal zurück und machen uns auf den Weg Richtung Toktogul Reservoir.

Oscar musste auf seiner Strecke umdrehen, er konnten wegen Schnee und Nebel den Pass nicht fahren. Am späten Nachmittag holt er mich ein und wir werden morgen zusammen weiterfahren. Aber heute gibt es erstmal eine Wiedersehensparty am See.

10.00 Uhr morgens und es sind tatsächlich alle startklar. Ich glaube der betrunkene Hirte, der unbedingt mit ihnen zum Frühstück Schnaps trinken möchte, lässt sie schneller als sonst verschwinden. Oscar und mir kann es nur recht sein, wir haben einige Kilometer vor uns. Die Strecke ist herrlich, Offroadspaß vom Feinsten: Schlamm, Schnee alles dabei, herrliche Ausblicke und tolle Nachtplätze.

Hungern muss keiner, es gibt jeden Morgen ein ausgiebiges Frühstück mit lecker Kaffee und abends wird zusammen gekocht. Claudia bäckt sogar ihr erstes Brot im Omnia Backofen.

Blöderweise habe ich mal wieder ein Loch im Pfötchen. Blöderweise nach einem tollen Sprung durch den Matsch. Claudia ist froh, dass sie diesmal beim Reifenwechsel nicht helfen muss, sondern Wiegert das übernimmt.

Nach drei Tagen Offroadspaß kommen wir am Issykul See an. Wir fahren zum selben Nachtplatz wie mit Simons Eltern und Fritz. Die Sonne scheint, es ist nur mittlerweile 15 Grad kälter als vor ein paar Wochen. Es ist schön, wieder hier zu sein, die Feuerstelle ist auch noch da. Und weil es so schön ist, bleiben wir einfach zwei Nächte.

Nach zwei Tagen am See geht es nach Karakol und wir quartieren uns wieder im Riverside Guesthouse ein. Claudia und Simon gönnen sich diesmal ein Zimmer. Simon, Femke und Wiegert gehen in die Banja und schrubben sich sauber. Claudia reicht die heiße Dusche im Guesthouse. In Karakol bleiben wir zwei Nächte und dann heißt Abschied nehmen vom wunderschönen Kirgistan.

Acht Wochen bin ich kreuz und quer durch das Land geflitzt, bin tolle Pässe und Offroadpisten

gefahren. Vier Verletzungen hatte ich an meinen Pfötchen, aber hey sonst ist alles heil geblieben. Das Land ist uns sehr ans Herz gewachsen und hat all unsere Erwartungen weit übertroffen.

Nun steht der Winter vor der Tür und es wird Zeit Richtung Wärme zu fahren. Mitte Dezember wollen wir im Oman sein, Sonne, Strand und Wüste. Bis dorthin sind noch ein paar Tausend Kilometer zu fahren und ein paar Länder zu durchqueren. Ganz besonders freuen wir uns auf den Iran. Wir machen uns zu sechs auf den Weg zur Grenze von Kasachstan und kommen ganze 1,5 Kilometer. Erst noch Cappuccino und Kuchen, Oscar und ich warten mal wieder geduldig. Wir kommen etwas später als geplant los, Kasachstan muss bis morgen warten, die Grenze ist ja noch zwei Tage geöffnet. Ein paar Kilometer vor der Grenze übernachten wir mit Blick auf die Berge im Schnee. Sieht ein bisschen aus wie zu Hause in den Bergen.

Nach einem Frühstück in der Sonne geht es über eine Rumpelpiste zur Grenze. Aus Kirgistan sind wir schnell ausgereist. Die Kasachen werfen einen genauen Blick in meinen Innenraum. Simon muss sämtliche Schränke öffnen und der Drogenhund darf auch mal schnüffeln. Als sie Claudias Tüten Tee finden (alle möglichen Kräuter hat sie in verschiedenen Schubladen deponiert), hört Claudia nur aus der Ferne (sie steht gerade an der Passkontrolle): "Marihuana?!" "No tea" "No Marihuana?!" "No tea" "Haschisch?!" "No Tea" "And this? Marihuana?" "No also tea"... Wir dürfen die Grenze passieren. Welcome back to Kasachstan!

Durch Kasachstan sind wir Anfang August drei Tage von Russland nach Usbekistan gefahren. Außer Kamele, Steppe und ein Abstecher zum Kaspischen Meer gab es nichts zu sehen. Diesmal sind wir im Südosten vom Land und die Landschaft ist komplett anders: Berge, Canyon, Flüsse und Seen. Unser erstes Ziel ist der Charyn Canyon, auch der kleine Grand Canyon genannt.

Über eine schöne Buckelpiste mit Übernachtungsplatz und Lagefeuer am Fluss springen wir zum Kaindy Lake. Der See ist durch einen Erdrutsch entstanden und leuchtet in türkisem Blau.

Auf der Wanderung zum See wird gerade eine Buhanka rausgezogen, die sich überschlagen hat. Zwei Stunden später sehen wir die Buhanka schon wieder auf der Straße rumflitzen. Kaputte Fenster, eingedellte Türen, kaputte Scheinwerfer, aber ansonsten scheint alles zu funktionieren. Respekt! Ach da muss ich an Fritz denken, was er wohl gerade macht?

Wir übernachten nochmal in der Nähe vom Charyn Canyon, bevor wir uns auf den Weg nach Almaty (der früheren Hauptstadt von Kasachstan) und fühlen uns ein bisschen wie auf dem Mond.

In Almaty soll es alles zum Kaufen geben! Alles aus dem Westen! Na da sind Claudia und Simon gespannt! Das Wichtigste auf ihrer Liste: ein neuer Milchschäumer für den morgendlichen Cappuccino. Der Alte hat den Geist aufgegeben und seit Wochen sind sie auf der Suche nach Ersatz.

Ob es in Almaty wirklich alles gibt, wie Claudias Tamponschmuggel an der usbekischen Grenze auffliegt, wie unser fünftägiger Transit durch Turkmenistan verläuft und wie unsere ersten Eindrücke vom Iran sind, all das erzähle ich euch das nächste Mal.

Euer ClauSi

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