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98 Tage #vanlife und wieder zurück in der Heimat

Ratz fatz ist unsere Zeit in Marokko rum, ratz fatz sind wir zurück in Spanien. Uns kam die Zeit in Marokko ewig vor, doch zurück in Tarifa haben wir das Gefühl, als wären wir erst letzte Woche rüber geschippert. Wir übernachten an unserem alten Platz, direkt am Strand. Die Beiden haben sich auf leckere Tapas gefreut, leider ist gerade offseason und fast alle Restaurants sind geschlossen. Und zur Enttäuschung von Claudia, sind auch noch fast alle Läden zu. Dabei hatte sie sich schon ausgemalt, in welche Läden sie unbedingt reinschauen möchte, natürlich nur zum Gucken... Dafür lacht wie immer die Sonne.

Am Abend treffen Uschi und Kai aus Marokko ein und die Vier sitzen noch lange gemütlich zusammen. Morgen wollen wir weiter nach Granada, endlich Tapas essen.

Wir schaffen es kurz nach 14.00 Uhr aufzubrechen (Claudia ist ein bißchen schlecht, das letzte Glas Wein war zu viel). Es heißt Abschied nehmen von Uschi und Kai (das dritte Mal auf unserer Reise) und wir düsen los - ganze zwei Kilometer weit. Auf dem Supermarktparkplatz stellt Simon fest, ich verliere Kühlwasser - nicht tröpfchen-, sondern pfützenweise. Also windstillen Parkplatz suchen, Unterbodenfahrschutz vorne abschrauben und prüfen was los ist. Die Lage ist angespannt, Simon ist echt genervt (ja von mir), Claudia ist genervt (auch von mir) und dazu muss sie dringend auf die Toilette. Ich bin genervt (von mir)! Nur kann ich auch nichts dafür, dass das blöde neue Heizungsventil schon wieder kaputt ist. Simon beginnt zu schrauben und Claudia macht sich auf dem Weg eine Toilette zu suchen, so kann jeder für sich alleine genervt sein. Nur ich kann nicht weg und muss Simons Laune ertragen. Immerhin kommt Claudia strahlend zurück, sie hat eine schöne Toilette gefunden. Simon kann das Problem leider nicht auf die Schnelle beheben und wir fahren zur nächsten Werkstatt. Der nette Mechaniker klemmt das kaputte Ventil ab und baut ein Stück Rohr ein. Konsequenz: kein Kühlwasserverlust mehr, dafür läuft jetzt immer die Heizung. Egal, wir fahren eh in die Kälte. Nach Granada kommen wir heute nicht mehr, es geht zurück an den Strand zu Uschi und Kai und die Vier verbringen wieder einen gemütlichen Abend zusammen. Am nächsten Morgen (12.00 Uhr) heißt es wieder Abschied nehmen (zum vierten Mal) und wir düsen tatsächlich nach Granada. Ich fühle mich auf den europäischen Straßen wieder zu Hause, hier ist es doch etwas angenehmer zu fahren als in Marokko: ich muss nicht ständig Eseln, laufenden Büschen, Hunden oder Menschen auf den Straßen ausweichen. Es kommt niemand wild angeschossen, der mir reinfahren könnte. Es gibt keine riesen Löcher in den Straßen und wir können auch wieder im Dunkeln fahren. Das war in Marokko eher nicht möglich, denn die Esel, laufenden Büsche, Hunde und Menschen haben kein Licht!


Auf unserer Heimreise treffen wir viele alte Bekannte und Freunde wieder, die einen geplant, die anderen spontan.

In Granada empfängt uns unser alter Kumpel Batman (ihn hätte Claudia damals fast eingepackt). Ich freue mich auch ihn wiederzusehen, diesmal habe ich keine Angst, dass das Fusselvieh bei uns einzieht. Und endlich gibt es lecker Tapas und Wein, so soll es sein. Vollgegessen und glücklich schlafen die Beiden nach ihrem Stadtbummel ein.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Oliva am Meer (kurz vor Valencia). Claudia und Simon besuchen Anne (Simons Cousine) und Andre (Annes Freund) auf einem Reitercamp. In diese riesen Reitermobile, die hier rumstehen, passe ich locker zweimal rein! Da wir ohne Pferd reisen, brauchen wir nicht so viel Platz. In Oliva ist es uns zu kalt, wir wollen Sonne und fahren am nächsten Tag nach Albarracin. Simon möchte gerne bouldern und Vera und Chris (unsere Wege haben sich in Marokko immer wieder gekreuzt) sind gerade dort. Albarracin, ihr erinnert euch? Kurve, Glatteis,... Ja, hier hatten wir den Unfall mit der Leitplanke. Uns ist allen dreien etwas mulmig zu mute, als wir an der Stelle vorbei fahren und die Erinnerung wieder hoch kommt (okay wir werden jeden Tag durch meine Dellen und Schürfwunden daran erinnert). Noch mal wird uns bewusst, was für ein riesen Glück wir hatten. Nach der Trauma Bewältigung fahren wir zu unserem alten Stellplatz und treffen Vera und Chris. Am nächsten Morgen, die Sonne lacht und gegen 10.00 Uhr dann auch mal unser Chillerpaar erwacht. Was steht auf dem Plan? Ausgiebiger Bouldertag für Simon, ausgiebiger Chilltag für Claudia.

Albarracin auf Wiedersehen, in drei Tagen wollen wir beim Attila in Les Mayons (Frankreich an der Cote d'Azur ) vor der Türe stehen.

In Les Mayons lassen es sich die Beiden drei Tage noch mal so richtig gut gehen und von Attila verwöhnen :-). Sonne tanken, lecker essen und raus in die Natur (Attila und Emna scheuchen die Beiden zu einer vierstündigen Wanderung). Simon rafft sich sogar zum Joggen auf und Claudia sieht sich schon Simon nachts im Wald suchen, da er sich verlaufen hat und erst nach über zwei Stunden kurz vor Einbruch der Dunkelheit zurück kommt. Ich konnte auch drei Tage komplett entspannen, Claudia und Simon haben bei Attila geschlafen. Obwohl ich schon Angst hatte, dass Attila sie gleich wieder rausschmeißt, nachdem Simon bei Ankunft erst mal fragt, ob Attila Toilettenpapier und ordentliche Kissen zum Schlafen hat. Ja unsere verwöhnten Camper wollen auf ihren täglichen Komfort nicht verzichten :-). Attila und Emna, vielen lieben Dank für die schönen Tage bei euch!

So und nun neigt sich der Urlaub tatsächlich dem Ende zu. Ab nach Hause! Geplant ist, dass wir die Rue de National durch Frankreich fahren und uns die viele Maut sparen. Da ich über 2,00 m hoch bin wird das nämlich teuer. Tja, aber es kommt ja bekanntlich immer anders und leider läuft bei mir nicht alles rund. Wummernde Geräusche klingen in den Kurven in unseren Ohren. Das Geräusch ist nicht neu, das hatten wir schon auf den Weg nach Albarracin und Les Mayons, nur wird es immer lauter. Nach einer Stunde am Straßenrand im Dreck und Durchsicht der Vorderachse beschließen wir, doch auf die Autobahn und dann über die Schweiz zurück zufahren, geht schneller und wir haben nicht so viele Kurven und Kreisel (die Franzosen haben eine Kreiselmacke). Es sind wahrscheinlich die hinteren Radlager, die wollte Simon vor Asien eh noch austauschen. Ich hoffe mal, dass sie das sind. Simon hofft das auch...


In der Schweiz finden wir in der Nähe der Autobahn ein ruhiges Plätzchen zum Übernachten und am nächsten Tag sind Claudia und Simon bei Noris und Markus in Uzwil (kurz vor St. Gallen) zum Käsefondue eingeladen. Claudia und Simon freuen sich riesig die Beiden wiederzusehen! Wir haben die Beiden letztes Jahr in Montenegro kennengelernt, als wir wegen meinem Getriebeschaden auf einem Campingplatz am Meer festsaßen. Na sie können mir dankbar sein, ohne meine blöden komischen Geräusche wären wir nicht durch die Schweiz gefahren und ohne meinen blöden Getriebeschaden letztes Jahr hätten sie Noris und Markus nicht kennengelernt. Es hat doch immer alles sein Gutes :-)! Wir hoffen, wir treffen euch im Mai in der Türkei wieder!

Nach dem leckeren Käsefondue geht es voll gegessen in die Heimat. Gegen 19.00 Uhr kommen wir am 26. Februar in Pleinfeld an und Franz empfängt Claudia und Simon mit fränkischer Stadtwurst mit Musik und ordentlichem Bier. Ich werde im Hof abgestellt und die Beiden beziehen ihre Zimmer im Haus. Ganz ehrlich, ich vermisse die Beiden und das Fahren jetzt schon und freue mich, wenn es Ende März auf die richtige Reise geht.

Genau 98 Tage waren wir on the road (bisher gefahrene Kilometer: ca. 12.000 Kilometer), seit 98 Tagen bin ich Claudias und Simons Zuhause oder wie sie auch gerne sagen: ihre Huddelbude. Fühlen sie sich wohl? Ja! Vermissen sie ihre Wohnung, ein richtiges Bett, eine große Küche, ein richtiges Bad? Nein! Okay nicht ganz, ein richtiges Bad vermisst Claudia schon manchmal. Trotzdem würde sie mich nicht gegen einen LKW oder ein größeres Fahrzeug mit Bad eintauschen wollen. Bis jetzt jedenfalls noch nicht und ich hoffe sehr, dass bleibt auch so! In ihren Augen bin ich das perfekte Reisefahrzeug. Natürlich gibt es auch Momente, in denen die kleine Wohnfläche zur Herausforderung wird und die Beiden sich im Weg stehen, sitzen oder liegen. 24 Stunden zusammen auf 6 qm wird für jede Beziehung zur Belastungsprobe. Es heißt nicht umsonst, wer herausfinden will, ob man den richtigen Partner hat, sollte zusammen auf eine längere Reisen gehen. Klar fliegen mal die Fetzen: wenn Simon ohne Vorwarnung von außen die Tür aufreißt, während Claudia drinnen nackig ihrer Körperpflege nachkommt und einfach mal fünf Minuten Privatsphäre möchte. Oder wenn Claudia als Beifahrerin die ganze Zeit mit bremst, obwohl sie auf ihrer Seite gar keine Bremse hat (das nervt mich übrigens auch tierisch). Meistens fliegen die Fetzen nicht lange, schnell können sie wieder über sich lachen und fahren Hand in Hand dem Horizont entgegen. Natürlich gibt es auch frustrierende Momente: wenn bei mir mal wieder das ein oder andere Wehwehchen auftaucht und Simon am Straßenrand und im Dreck unter mich kriechen muss (ich bin nun mal ein alter Bus). Meine beiden Unfälle haben Claudia und Simon ganz schön mitgenommen, das stecken sie nicht so einfach weg und es tut ihnen im Herzen weh, dass ich nun so zerbeult hier im Hof stehe. Aber hey ich fahre, alles halb so wild. Das Blöde ist nur, seit den Unfällen ist Claudia eine richtig anstrengende Beifahrerin und bremst noch mehr mit...


# vanlife ist übrigens nicht nur tolles Reisen in einem sau coolem Bus, tolle Landschaft und alles ist immer super, # vanlife ist auch:

- Crash gegen die Leitplanke bei Sonnenschein in Spanien wegen Glatteis

- Claudias neue Narben an Hand und Stirn von ihrem Sprung gegen den Felsen

- eine kaputte Schwinge wegen zu starker Sprünge über Pisten

- kalte Nächte, weil die Standheizung spinnt

- zwei kaputte Reifen auf der Piste des Grauens inklusive Heulerei von Claudia

- cholerische Nachbarn auf dem Campingplatz

- lockerer Träger der Vorderachse

- Unfall, weil uns ein Marokkaner hinten rein rauscht

- viel Zeit mit Schrauben verbringen

- schlaflose Nächte, weil man über das Schrauben nachdenken muss

- kaputtes Heizungsventil

- zu wenig Bewegung, das viele Fahren verleitet zum Faulwerden (für die Asienreise soll es ein Sportprogramm geben, ich bin gespannt)

- ewig mit Spaten durchs Gebüsch rennen, um einen schönen ruhigen Platz zu finden

- beim Joggen verlaufen (betrifft nur Simon)

- mit einem zerbeulten Bus nach Hause kommen

-...

Aber genau das macht das Abenteuer aus :-)... Und all das hält uns natürlich nicht davon ab weiterzureisen.


Unser Fazit Marokko:


- Marokko ist ein tolles Land! Es gibt hohe Berge, kleine Berge, grüne Landschaft, karge Landschaft, Wüste, Meer, wunderschöne Strände, grosse Städte, kleine gemütliche Städte, Abgeschiedenheit, unberührte Natur, viele bunte Farben, viel zu entdecken und alles ist unkompliziert zu bereisen

- wir haben viel und doch nur einen Bruchteil vom Land gesehen

- wir haben uns jederzeit sicher gefühlt

- die Marokkaner sind sehr hilfsbereit und freundlich

- die marokkanische Küche hat uns nicht überzeugt, aber das ist Geschmackssache :-)

- es gibt viele wilde Hunde, sie sind höflich und freuen sich sehr über eine Kleinigkeit zu fressen

- wir können euch Marokko als Reiseland definitiv empfehlen


Alle Fotos aus meinem Blog findet ihr auch unter Reisefotos.


Bis Ende März sind wir in der Heimat und freuen uns über jeden von euch, der uns besuchen kommt!





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