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    • ClauSi

    10 Tage Türkei: unglaubliche Gastfreundschaft, der türkische VW Doktor und viel gesehen

    Aktualisiert: 17. Juni 2019

    Mit der Fähre geht es von Ecebat nach Canakkale rüber auf den asiatischen Teil. Europa auf Wiedersehen! Türkei ist unser 14. Land seit Abfahrt im November 2018. Ich habe mittlerweile 19.000 Kilometer mehr auf den Knochen, da kann die Kupplung schon mal knarzen wie eine alte Tür. Aber WD 40 auf die Ausrückwelle gesprüht und ich schnurre wieder wie ein junger Hüpfer. In der Türkei werden wir genau so herzlich empfangen wie in Albanien: die Leute winken wild, hupen und rufen aus ihren Autos "welcome, welcome". Selbst die Truckerfahrer winken mir, na ich bin auch ein kleiner Truck :-).

    Am Abend erreichen wir Bergama dem einstigen Pergamon und Claudia und Simon wollen sich morgen ganz früh die antike Ruinenstätte der Akropolis anschauen. Na da bin ich gespannt, wie früh wir das schaffen. Auf einen Tee kehren die Beiden im Akasya Park Restaurant (das sieht von außen so hübsch aus) unterhalb der Zufahrt zur Akropolis ein. Claudia und Simon werden von Mushine auf fränkisch-deutsch begrüßt. Simon fragt sie, woher ihr fränkischer Dialekt herkommt. Mushine ist in Nürnberg aufgewachsen und seit über 30 Jahren zurück in der Türkei. Seit dem war sie nicht mehr in Nürnberg. Ihr Freude ist riesig darüber Nürnberger zu treffen. Sie und ihr Mann helfen ihrem Sohn im Restaurant, dass sie vor einem Monat für ihn eröffnet haben. Das Restaurant wird für die nächsten zwei Tage wie unser Zuhause (ich stehe meistens im Schatten vor der Tür und döse im leichten Wind vor mich hin). Wir übernachten ein paar Meter weiter auf einem großen Parkplatz.

    Ihr werdet es nicht glauben, wir stehen tatsächlich kurz vor acht Uhr morgens vor dem Tor der Akropolis! Wir sind die Allerersten! Claudia und Simon haben das Gelände für sich ganz alleine. Keine Chinesen, die in Horden rumlatschen. 30 Minuten später kommt die erste Reisegruppe an, Chinesen, mit der Ruhe ist es erst einmal vorbei. Trotzdem ist alles sehr beeindruckend, nach 2,5 Stunden reicht es dann mit der Besichtigung.

    Kaffee und Kuchen gibt es zum Frühstück bei Mushine, dann geht es zu den Überresten von Pergamon in die Altstadt von Bergama (Bergama ist auf den Ruinen von Pergamon gebaut).

    Ein ausgiebiges und leckeres Mittagessen gibt es wieder bei Mushine. Da Simons Haare mittlerweile etwas zu lang sind und wild vom Kopf stehen, geht es zum Friseur. Haare schneiden inklusive Nackenmassage, Rasur, Ohrhaare abbrennen und das alles für 4 Euro. Der Friseur meint es gut und kämmt Simon einen hübschen Seitenscheitel, den er mit Tonnen von Haarspray fest betoniert. Zum Glück lässt sich die feste Betonlocke im Hammam wieder rauswaschen. Im alten Hammam (türkisches Bad, erbaut 1513) lassen sich Claudia und Simon den ganzen Dreck der letzten Wochen abschrubben und werden ordentlich gewaschen.

    Frisch gestriegelt geht es zum Abendessen. Wo? Na im Akasya Park Restaurant. Eigentlich wollten wir heute weiter nach Ephesos fahren, das haben wir geskippt, weniger ist mehr und wir genießen lieber die angenehme Atmosphäre in Bergama.

    In der Nacht schreckt Claudia von einem Geräusch hoch und weckt Simon. Er steht auf und schaut oben aus dem Fliegennetz vom Aufstelldach. Zwei Augen schauen ihn an. Was die Beiden nicht gesehen haben: eine Katze und ihr Kumpel ein kleiner Hund, sind eine ganze Weile um mich rumgeschlichen. Der Hund hat die Mietze dazu angestachelt hoch aufs Dach zu springen und da mal rein zu schauen. Als sie Simon sieht, erstarrt sie vor Schreck. Schnell springt sie vom Dach und zieht mit ihrem Kumpel wieder ab.

    Am nächsten Morgen ist die Besichtigung des Asklepion am westlichen Stadtrand von Bergama angesagt. Das Ruinenfeld des Asklepion ist eine der berühmtesten Heilanstalten der Antike und wurde im 4. Jh. v. Chr. gegründet. Die Heilsuchenden verbrachten hier im Schnitt mehrere Monate, behandelt wurden Leib und Seele gleichermaßen. Und wieder sind wir die Ersten! Claudia und Simon genießen die absolute Stille, beobachten Schildkröten und ärgern Frösche.

    Das Museum von Pergamon wird anschließend besichtigt (leider gibt es nicht viel zu sehen, da die interessanten Dinge im Pergamon Museum in Berlin stehen). Frühstück gibt es bei Mushine, dann heißt es Abschied nehmen. Mushine es war wunderbar bei Dir und deiner Familie!!!

    Ich habe von Mushine neue Deko und Claudia und Simon Glücksarmbänder für die Reise als Andenken an Bergama bekommen. Vielen lieben Dank!!! Simon hat Mushine ein Nürnberger Schanzenbräu zur Erinnerung abgegeben.

    Auf nach Pamukkale, bei 37 Grad Außentemperatur flitze ich über den heißen Asphalt. So kann ich mich schon mal langsam auf die Hitze in der Steppe von Kasachstan einstimmen. Wir schwitzen alle drei und kleben. Zum Glück zieht es zu, es gibt eine Regendusche und kühlt runter. Wir fahren auf den Campingplatz Tepe oberhalb der weißen Kalksinterterrassen von Pamukkale. Die Wahnsinnsfernsicht von dem Platz entschädigt ein bisschen für die dreckigen und vollgesch... Toiletten.

    Der frühe Vogel fängt den Wurm, 6.45 klingelt der Wecker und 8.30 Uhr sind wir am Eingang. Noch ist wenig los.

    Claudia und Simon laufen über die weißen Kalksinterterrassen mit ihren natürlichen Pools nach oben und schauen sich die antike Stätte Hierapolis an, die sich auf einem Plateau oberhalb befindet.

    Auch hier sind die Beiden fast alleine. 2 Stunden später zurück an den Kalksinterterrassen trifft sie der Schlag. Es wimmelt nur so von Menschen, die meisten springen in Bikinies und Badehose rum und posieren für die Kamera. Es geht nur um das "perfekte" Foto. Simon und Claudia ist das ganze Gewimmel zu viel und sie machen ganz schnell die Biege.

    Bei mir ist gestern eine Manschette gerissen und muss ausgetauscht werden. Nix Schlimmes, ist nur Verschleiß und sie hat länger gehalten als Simon dachte. Weil für den Wechsel die Antriebswelle ausgebaut werden muss und das am Straßenrand nicht so komfortabel ist, wollen wir nach Denizli (20 Kilometer südlich von Pamukkale) zu Ergun in die Werkstatt fahren. Ergun wurde uns von Graeme (ihn und seine Familie haben wir in Marokko kennengelernt) als bester VW Spezialisten in der Türkei empfohlen. Diesen VW Doktor wollen wir kennenlernen! Auf dem Werkstattgelände bekomme ich Herzrasen, überall stehen alte Kumpels von mir rum, wie geil! Alte VW Typ 1 und Typ 2 Transporter, ganz alte Käfer (Ovalos) und sogar Defender.

    Simon kann meine Manschette wechseln, das passende Werkzeug haben sie da und er lernt wieder einiges über Manschetten und Gelenke dazu. Ich quatsche mit den Autos um mich rum und lasse mich schön von Straßenhunden anpinkeln. Obwohl Ergun uns nicht länger als 2 Stunden kennt, lädt er Claudia und Simon zu sich und seiner Familie nach Hause ein, damit sie duschen (nein sie stinken nicht) und Wäsche waschen können (nein sie sehen nicht verdreckt aus). In seinem Haus lernen sie Asli seine Frau und ihre beiden Kinder kennen. Claudia und Simon fühlen sich sofort wie zu Hause. Asli und Ergun sind einfach der Wahnsinn. Überall im Haus hängen oder stehen alte mini VW Busse rum, wie in Claudias und Simons alter Wohnung. Asli braut ihr eigens Bier, macht ihren eigenen Wein, eigenen Käse, eigenen Joghurt,... Es gibt ein leckeres Abendessen, das Bier und der Wein schmecken hervorragend und das Gästezimmer ist auch schon hergerichtet. Auch Asli kommt in den Genuss eines fränkischen Bieres, Simon gibt wieder ein Nürnberg Schanzen Bräu ab. Claudia und Simon sind einfach nur überwältigt von dieser Gastfreundschaft! Ergun und Asli haben einen ausgebauten VW Bus, einen Defender, einen alten VW Käfer, einen alten Truck und reisen gern...Da geht der Gesprächsstoff nicht aus :-).

    Am nächsten Morgen gibt es ein köstliches Frühstück und zum Mittagessen Spaghetti. Gegen 16.30 Uhr kommen wir vollgegessen, mit frisch gewaschener Wäsche, selbstgemachten Wein und selbstgemachter Marmelade los Richtung Kappadokien. Vielen lieben Dank für die tolle Zeit mit euch!! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!

    Wir fahren bis Konya und übernachten auf einem Parkplatz an einem Park mit Toiletten und heißen Duschen, alles tip top sauber.

    Am nächsten Morgen lernen wir, dass reisen auch in einem kleinen Auto funktioniert:

    Alper hat bereits die 70 gerissen und seit 6 Monate ist er mit seinem Küken (so nennt es sein Auto im Türkischen) unterwegs, er reist auch nach Georgien und dann in die Ukraine (Höchstgeschwindigkeit 50 km/h).

    Wir erreichen am Nachmittag Kappadokien. Kappadokien ist ein Weltwunder der Natur im Herzen Anatoliens. Die einzigartige Tuffsteinlandschaft mit bizarren Felsgebilden, unterirdischen Städten und Höhlenkirchen haben vor Millionen Jahren Vulkanausbrüche in die Wege geleitet.

    Wir suchen uns ein schönes Plätzchen für die Nacht von wo aus wir morgen früh die Heißluftballons beobachten können. An unserem Platz für die Nacht lernen wir Femke und Jeff aus den Niederlanden kennen. Sie sind seit über einem Jahr unterwegs und befinden sich auf der Heimreise. Sie kommen aus den Ländern, in die wir fahren werden. Aaron und Sputnik kommen am Abend aus Istanbul angedüst.

    4.50 Uhr sind alle wach, die Heißluftballons steigen auf! Das Schauspiel ist unbeschreiblich! Unfassbar schön!

    Es wird gemeinsam gefrühstückt, die Aussicht und der Tag genossen.

    Aaron und Simon machen sich auf zu einer Erkundungstour, Claudia bleibt bei mir. Ihr Glück: die Beiden kriechen durch Höhlen, Tunnel, enge Gänge und dunkle Schächte in den Felsen. Claudia mit ihrer Platzangst hätte da sicher ihr Freude gehabt.

    Am Abend sitzen alle gemütlichen zusammen, bis das Unwetter aufzieht und mir die Markise um die Ohren haut.

    Eine plötzliche Windböe hat sie hoch und über mein Dach geweht. Simon wollte sie gerade abspannen, nur leider zu spät...Die Stangen sind etwas verbogen, aber ansonsten ist alles heile.

    Kurz vor 5 Uhr morgens beobachten wir wieder dieses wunderschöne Schauspiel, Claudia diesmal vom Bettchen aus.

    Heute geht der halbe Tag dafür drauf, die Visaanträge für Russland auszudrucken, einen Briefumschlag zu organisieren (in keinem Geschäft gibt es Briefumschläge) und eine Post zu finden, die international Einschreiben versendet. Simon reißt sich auch noch an einem Rohr, das auf dem Fußweg liegt, seinen kleinen Zeh auf. 16.30 Uhr ist dann alles einschließlich ausgiebigen Mittagssnack erledigt und wir brechen zum Nemrut Dagi auf. Der Gipfel des 2150 m hohen, windumtosten Berges ist der größte Grabhügel der Welt, riesige Köpfe aus Stein bewachen ihn. Da wollen wir hin, aber nicht mehr heute. Wir fahren bis es dunkel wird und suchen uns einen Nachtplatz.

    Wir brechen früh auf (9.30 Uhr), frühstücken unterwegs und kaufen bei Metro in Malatya ein (hier braucht man keine Kundenkarte wie in Deutschland).

    Am frühen Abend erreichen wir Nemrut Dagi. Zum Sonnenuntergang sind Claudia, Simon und Aaron mit vielen anderen Touristen auf dem Grabhügel und schauen sich die riesigen Steinköpfe an.

    Am nächsten Morgen brechen wir früh auf, wir wollen morgen die Grenze von Georgien erreichen (zu fahrene Kilometer bis zur Grenze ca. 796). Wie ihr wisst, kommt es meistens anders als geplant. Nach ganzen 8 Kilometern bergab ist erst mal Schluss. Sputniks Bremse funktioniert nicht mehr so recht. Die rechte Bremse kocht regelrecht und Fett tropft aus dem Lager der vorderen Antriebswelle. Wir lassen Sputnik und seine Bremsen abkühlen, Simon und Aaron checken alles durch. Feststeht: Sputnik muss in eine Werkstatt. Nach dem die Bremsen abgekühlt sind fahren wir im Schneckentempo 60 Kilometer weiter meistens bergab. Die Bremsen scheinen wieder zu funktionieren, trotzdem muss Sputnik in eine Werkstatt. Nur ist heute Sonntag und alle Werkstätten sind geschlossen. Aaron fährt mit uns weiter bis Erzurum, wird dort morgen eine Werkstatt aufsuchen und wir werden schon mal weiter nach Georgien fahren.

    Türkei hat uns super gut gefallen und es ist sehr schade, dass wir so wenig Zeit für dieses tolle Land, die herzlichen und hilfsbereiten Menschen haben. Vielleicht kommen wir ja auf dem Rückweg wieder durch die Türkei und dann werden wir uns auf jeden Fall mehr Zeit nehmen!

    So ihr Lieben unser nächstes Ziel ist Georgien, wir betreten so langsam für uns neues, ungewohntes Terrain...

    Bis bald Euer ClauSi

    P.S. ich soll euch alle ganz lieb von Claudia und Simon grüßen!!!

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